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Potter vs. Frodo


Der letzte Band der Harry Potter Reihe ist erschienen und das epische Werk erlebt seinen Höhe- und Schlusspunkt. Der Vergleich der sieben Bände durch verschiedene Medien mit der Herr der Ringe Saga hat den Widerspruch beider Fangruppen hervorgerufen. Kann man die Werke überhaupt vergleichen?


Um es gleich klar zustellen, meines Erachtens nach kann man das nicht. Tolkiens Werke sind überhaupt nicht kindgerecht und gehören auf den Index jugendgefährdender Schriften, sie sind  sozial-ethisch desorientierend. Im Gegensatz zur Komplexität und Vielschichtigkeit des Potterschen Gesellschaftsbildes und der sozialen und politischen Ambivalenz gibt es bei Tolkien nur ein dumpfes schwarz-weiß Bild der Gesellschaft, in der die Anhänger der sogenannten bösen Seite alle nur dumpfe hässliche Untermenschen-Klischees sind. Rassistischer als die Darstellung der Orks geht es nicht, selbst Namen und Individualität werden ihnen abgesprochen. Tolkien ist eindeutig ein Werk des 20. Jahrhunderts und inzwischen so zeitgemäß wie Möbel im Gelsenkirchener Barock, Autos ohne Kat, Bratwurst-Grillen und Feldhandball - nur noch unter retro-Gesichtspunkten ein nostalgischer Hingucker, mehr nicht.

Und bei Potter dagegen, dort ist die finale Begegnung Potters mit Draco unter Anwesenheit der Familien ein unverzichtbares Kapitel im Buch. Dieser Schluss zeigt eine Perspektive im Leben, die auch für die reale Welt der Leserschaft gelten kann. Es zeigt wohin eine Konfrontation führen kann. 

Auch Potters Veränderung in seinem Verhältnis zu den Nichtmenschen ist eine Allegorie auf unsere Begegnung mit anderen Kulturen, unsere Vorurteile, die Vorurteile der anderen über uns und wie alle Seiten durch Begegnung miteinander darüber hinaus wachsen können. 

J.R.R. Tolkiens Englisch ist sicherlich vielfältiger und anspruchsvoller als J.K. Rowlings, aber inhaltlich ist ihr Potter der Realität entsprechender und damit auch als Jugendbuch geeigneter. Die Vorstellung, dass Jugendliche ihr Weltbild und ihre Persönlichkeit mit Herr-der-Ringe-Problemlösungen bilden, würde mich an den Kauf von schusssicheren Fenstern denken lassen und den Umzug in eine Closed Community. 

Dagegen die glorreichen sieben Potter Bände und ihr Entwicklungsbogen bis hin zum umstrittenen letzten Kapitel. Für mich ist es der logische und konsequente Klimax der Handlung, zeigt es doch wer die wahren Gewinner sind. Wenn alles gut ausgeht, die Konflikte ausgestanden sind, dass ein Kreis sich schließen kann ohne dass die nächste Runde mit den gleichen Fehlern weitergeht und weiterlebt.

Update: Bei Übernahme aus dem alten Blog wurden die Spoiler-Markierungen entfernt.

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