Beipackzettel für TV-Sendungen


Ich fordere die sofortige Einführung einer Ampel-Kennzeichnung für TV-Sendungen!

Vor jeder Sendung muss für mindestens 20 Sekunden eine Kennzeichnung vergleichbar der geplanten Ampel für Lebensmittel gezeigt werden. Allerdings nicht für Fett und Kohlehydrate oder ähnliches, sondern für die Bestandteile:

- verwendeter Soziolekt, Anteil restringierter Kode (SL)
- Anteil geprüfter und gegenrecherchierter Fakten (GF)
- Anteil an Gewaltdarstellungen (GD)
- Anteil an Gesinnungsjournalismus (GJ)
- Ausmass des fiktionalen Sendungscharakters (FC)
- Anteil an Productplacement (PP) 

Dann hätten öR-Sendungen wie "Marienhof" eine SL90/GF0/GD5/GD25/FC100/PP10 Ampel und lägen fast überall im roten Bereich, "Wissen vor Acht" läge im grünen und gelben Bereich, die "Tagesschau" würde bei GD mit Werten von 20 bis 50 den Bereich zwischen gelb und rot abdecken, aber richtig grüne Ampeln würde man nur bei "Kulturzeit" auf 3sat oder ähnlichen Angeboten in den Kultursendern finden. Bei manchen Sendungen (Volksmusik-Schmankerl) würde die Ampel wahrscheinlich nicht gezeigt werden können, da diese bar jeden Gehalts sind und die Ampel weiß bliebe. Wer gibt das schon gerne zu. Für diese Fälle schlage ich die Kennzeichnung "Mental-Placebo" oder "Denkpause" vor. Mit dem Hinweis an den Zuschauer, dass er für die nächsten so und soviel Minuten gerne sein Gehirn auch anderweitig verwenden könne. Zur Allgemeinverständlichkeit kann man dann auch ein Schokokuss-Symbol einblenden, hinterlassen solche Sendungen doch auch nur einen kurzen süßen und klebrigen Eindruck. Nähren nicht, bilden nicht und sind auch zu sonst nichts nütze.

Verbieten oder abschaffen sollte man das ZTF (Zeit-Totschlag-Fernsehen) nicht. Wenn zusätzliche Millionen nach sinnvoller Unterhaltung nachfragen würden, dann würden auch Karten für interessante Live-Events nicht mehr so günstig zu bekommen sein und das wär doch schade.

Vielleicht wäre es eine Lösung für die werbefreien Zeiten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens die Erhebung der Quoten einzustellen. Für was wird der Unfug eigentlich getrieben? Kriegen die Produzenten mehr oder weniger Geld? Werden die Rechte billiger?

Oder können die Sende-Anstalten nicht besser und brauchen eine Entschuldigung? Sind Sendeformate wie Maus, Dittsche oder Kulturzeit seltenen kulturrevolutionären Momenten zu verdanken und nicht Ergebnisse solider professioneller Redaktionsarbeit? 

Aber ist es außerhalb des ÖR nicht schlimmer, bei Premiere wird die Sendezeit von Classica halbiert und stattdessen das 24h-Programm e.clips ins Bezahlbouqet aufgenommen, das nur Promoclips versendet. Bei der BBC findet auch ein Beinahe-Kahlschlag statt, den auch Leuchtturmprojekte wie "Unsere Erde" nicht retten. Dass Dokumentationen und Filme wie der Quandt- oder Contergan-Beitrag die Ausnahme sind, zeigt doch schon die Kapitulation der Sendeanstalten vor der Quote. 

Der kulturelle Graben quer durch die Bevölkerung wird mit dieser Sendepolitik vertieft. Statt subtil für Bildung und Zivilisierung zu wirken, reicht man der kulturellen Degeneration die Hand und gibt sich hin. 

Heil dir du Quote! 


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