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Straßenbau, eine undeutsche Tugend

An deutschen Autobahnen muss häufig und viel repariert werden. In anderen Ländern ist das nicht so oft nötig. Kochen die mit dem selben Wasser?

Nein, der Asphalt und die Bauingenieure mögen die gleichen sein, aber die Verarbeitung unterscheidet sich gigantisch. Fahre ich in der Schweiz oder Frankreich über eine ausgebesserte Stelle merke ich das nur weil die Markierungen noch neu sind und die Farbe der Fahrbahn leicht differiert. Fahre ich in D über ein ausgebesserte Stelle ... habe ich ein haptisches Erlebnis von eindeutiger Aussage. Dort eine einheitliche Fläche, hier eine Beule.

Das hat noch einen zusätzlichen Effekt. Vor meinem Bürofenster ist gut einsehbar ein Kanaldeckel mitten auf der Straße. Dieser hatte sich in den vergangenen Jahren gesenkt und es kam zur Beschädigung der Straßendecke. Im August rückten Arbeiter an, legten den Schachtdeckel frei, brachten die Einfassung aufs richtige Niveau, anschließend kam ein anderes Unternehmen und asphaltierte diese und andere Stellen im Straßenverlauf neu, verdichteten mit kleinen handgeführten Walzen bauten die Absperrungen ab und verschwanden. Alles sah soweit gut aus. Die übliche leichte Beule im Asphalt, bis der Schnee und der Frost kamen.

Denn der Räumdienst - der hat ein stabiles Stahlschild am Fahrzeug, fährt recht flott und hobelt einfach die Beule ab. Naja, nicht nur die Beule, auch die Hälfte des Asphalts an der Ausbesserungsstelle. Am nächsten Morgen, nach dem Berufsverkehr befand sich um den Schachtdeckel eine sichelförmige Absenkung in der schon der Schotter des Straßenunterbaus sichtbar wurde. Mittags zierten zwei Lübecker Hütchen die Stelle und der Verkehr begann sich über die Gehwege um die Stelle zu bewegen. Am nächsten Tag wurde dann richtig losgelegt, die Lübecker Hütchen wurden gegen Warnbaken mit gelbem Blinksignal ausgetauscht, großräumig Parkverbot verhängt und das wars dann. Nach einer Woche kam dann ein Zwei-Mann-Truppe mit Schaufel und einem Eimer Gussasphalt. Keine Walze, keine Beule und die Baken und das Parkverbot sind jetzt auch weg. Mal sehen wie lang das hält. Der Räumdienst bleibt jedenfalls nicht mehr hängen bzw. rasiert eine Beule ab.

Nach dieser Beobachtung konnte ich noch zahlreiche andere Stellen ausmachen, an denen Reparaturbeulen sich anlässlich der Winterwitterung in handbreite Löcher verwandelt haben. 

Vielleicht haben wir die gleichen Bauingenieure und den gleichen Asphalt, aber die Ausführung ist definitiv eine andere.


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