Al-Chwarizmi, der Pate des Algorithmus

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Al-Chwarizmi hat wie ein frühmittelalterlicher Harald Lesch wissenschaftliche Erkenntnisse interessierten Zeitgenossen vermittelt. Er hat den interessierten Muslimen Nordafrikas und der iberischen Halbinsel die wissenschaftlichen Erkenntnisse der indischen Kultur nahe gebracht. In seinem Werk Über das Rechnen mit indischen Ziffern, das er zu Beginn des 9. Jahrhunderts veröffentlichte, veranschaulichte er das Rechnen mit dem Dezimalsystem und führte die Null ein. Diese hatte er im indischen Zahlensystem kennengelernt und seine Einführung der Null in die arabische Kultur bereitete ihr den Weg in den ganzen westlichen Kulturkreis.

Der entscheidende wissenschaftliche Schritt dabei war die Erkenntnis, dass die Null eben nicht für ein Nichts steht, sondern für ein Gleichgewicht zwischen negativen und positiven Werten gleicher Größe. Ein Haufen Schuldscheine und ein Haufen Goldmünzen von jeweils gleichem Wert sind eben nicht Nichts, aber sehr wohl Null. 

Hätte die islamische Wissenschaft diese fernöstlichen Erkenntnisse nicht in unsere Breitengrade importiert, dann wären sie erst mit den spätmittelalterlichen Fernost-Erkundungen der Seefahrer nach Europa gekommen und es ist fraglich ob ohne die Null und die Algebra dies den Seefahrern hätte glücken können. 

Die islamische Kultur zu al-Chwarizmis Zeit war nicht nur in diesem Fall multikulturell, sie nutzte diese Offenheit gezielt für den eigenen Fortschritt. Dass der Islam sich im beginnenden 21. Jahrhundert seinem eigenen Pietismus hingibt, lässt ihn ignoranter und hermetischer erscheinen, als er ursprünglich war.



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