Vigilante Videos als Serientäter


Ist ein Film nur ein Film oder immer auch gesellschaftsverändernde Propaganda? Und gilt das für eine TV-Serie genauso oder vielfach verstärkt?

Mein Eindruck und meine Erfahrungen von der Wirkung quotenstarker Serien und Sendungen sprechen für die Gesellschaftsveränderung. Deshalb kann ich auch nicht die unkritische Sichtweise, die Mafia-Serien wie Sopranos Ungefährlichkeit unterstellt, nicht teilen.

Offene Glorifizierung des organisierten Verbrechens würde umgehend zu einem Verbot eines entsprechenden Films führen, zumindest in Deutschland. Hier sind derartige File immer noch strafbewehrt. Es geht deshalb um ein viel subtileres Vorgehen, eine subversive Technik die Propaganda auf anderer Ebene unterzubringen.

Bei all diesen Filmen, von Sinatras goldenem Arm bis zu den Mob Wives auf VH1, handelt es sich um eine Form des Product Placement. Mafiöse Organisationen werden auf eine Weise dargestellt, dass ihre Existenz zur Selbstverständlichkeit wird, ein natürlicher Teil der menschlichen Gesellschaft. Die organisierte Kriminalität wird zur Subkultur umdefiniert, zur randständigen Schicht, zum Bestandteil der gesellschaftlichen Vielfalt. Ein Bestandteil mit begründeter und berechtigter Existenz.

Damit wird unterschwellig und manipulativ der Eindruck erweckt, es wäre ein natürlicher Vorgang, dass es organisierte Kriminalität gäbe und dass man derartige Strukturen als "gottgegeben" oder "natürlich" akzeptieren müsse. Dass diese Ausprägungen der Gesellschaft im Wesen des Menschen liege und jeder Versuch sie zu unterbinden aussichtslos sei. Dasselbe gilt für Nazi-Filme wie "Der Bunker". Nicht nur die Mafia sondern auch die Faschisten seien Erscheinungen, die zur Realität gehören wie Hunger oder Erste Liebe, unvermeidlich weil integraler Bestandteil des menschlichen Kosmos.

Das ist falsch. Das ist eine gefährliche Banalisierung. Derartige Filme sind eine subtile Propaganda für einen Mythos. TV-Serien wie Sopranos oder Mob Wives sind genauso gefährlich wie die üblichen Nazi-Filme, sie transportieren diese Sicht- und Deutungsweise des Dämonischen als Allzumenschlichem.

Statt über Hitler sollte man Filme über Hindenburg und seine Mitverschwörer machen, die sich die Demokratie abkaufen ließen und so erst den Faschismus ermöglichten. Über das was zwischen 1930 und 1933 geschah und den Umsturz ermöglichte. Die gut gemeinten Gesetze, die dann missbraucht wurden.

Genauso sollte man Filme machen über die Rekrutierungen und die Mechanismen der organisierten Kriminalität, über die Scheingeschäfte, vorgetäuschte unternehmerische Tätigkeit zur Geldwäsche, die internationale Verflechtung und die Duldung durch die staatlichen Instanzen. Das Wegschauen und Weghören, sei es im kleinen wenn eine Bande auf der anderen Straßenseite randaliert, sei es im Größeren wenn die Mafia ganze Branchen in Stadtvierteln okkupiert, sei es im landesweiten Maßstab wenn der Gaddafi-Clan ein ganzes Land zur Privatsache erklärt. Wir wissen doch, wer sich dann wegdreht - wir selbst, die Justiz, die Regierung. 

Es sind die gleichen USA, die die drogenhandelnden Warlords in Irak und Afghanistan dulden, die auch im TV und Kino der Mafia ein Existenzrecht einräumen. Und unsere deutsche Regierung ist auch schon gut darin sich mit derartigen Strukturen gemein zu machen und sich wegzuducken. Solange keine Leichen auf unseren Straßen liegen ist ja alles gut.

Zum Nachdenken eine Rechenaufgabe: Man google sich die Zahlen für die Schäden durch organisierte Kriminalität - Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel, Subventionsbetrug, Umsatzsteuerbetrug, Sozialversicherungsbetrug usw. - kumuliere das für die Jahre seit 1949 und vergleiche den Endbetrag mit den gesamten Staatsschulden.

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