Direkt zum Hauptbereich

Keine Noten, keine klassische Musik - MUSOPEN


ZEIT Online berichtet heute über die Hintergründe des MUSOPEN Projektes und den Bestrebungen möglichst viele Noten der klassischen Musik frei von Rechten Dritter als öffentliches Gut zur Verfügung zu stellen.

Es gilt zwar, dass eigene Abschriften und Faksimiles von Original-Noten aus der Klassik problemlos  legal verbreitet werden können, denn unter den Schutz des Urheberrechts fallen nur die Bearbeitungen und Transpositionen dieser klassischen Stücke und auch das nur, wenn deren Autor noch keine 70 Jahre tot ist oder noch lebt. 

Diese Bearbeitungen entstehen zwangsläufig, da viele alte Stücke wegen der Änderungen im Instrumentenbau bearbeitet werden müssen. Auch die Hörgewohnheiten haben sich geändert, die Stimmlagen der Singstimmen sind tiefer, Kastratentenöre selten geworden und auch die Zusammensetzung und Platzierung der Stimmen in Orchestern hat sich verändert. Selbst Kammermusik muss Veränderungen berücksichtigen, die Räumlichkeiten für Aufführungen sind, abgesehen von musealen Projekten, nicht vergleichbar mit denen der Ursprungszeit. Wo sind noch dämpfende Stofftapisserien an den Wänden und Parkett aus weichen Hölzern der Fußboden? Ein weites Feld für Nachbearbeitungen, die aber alle jünger als 70 Jahre sind und damit nicht frei verfügbar. 

Spielt ein Musiker ein altes Stück und es wird eine Aufzeichnung produziert, dann hat der Musiker die Rechte an Ton und Bild, diese Rechte kann er vermarkten. Waren aber die Noten bzw. ihre Bearbeitung noch geschützt, dann muss er für das Aufführungsrecht bezahlen, egal ob er einen nennenswerten wirtschaftlichen Ertrag erzielt oder nicht. Deshalb gibt es Projekte wie Musopen, um alte Musik zu befreien und den Musikern lizenzfrei zur Verfügung zu stellen, denn nicht immer sind Veranstaltungen ökonomisch vielversprechend und sichern die Refinanzierung der Lizenzgebühren. 

Nicht nur die klassische Musik ist betroffen. Probleme bereiten auch altes Liedgut aus dem profanen und kirchlichen Bereich, Volkslieder und Ethno-Musik. Viele Veranstalter verlangen einen Nachweis, dass bei urheberrechtsgeschützten Noten ein Lizenznachweis geführt wird. Für viele ehrenamtliche und nebenberufliche Musiker eine erheblicher Aufwand, finanziell und organisatorisch. 

Ein Projekt, das eine verlässliche Quelle für urheberrechtsfreie Notenschriften bietet, ist deshalb für sehr viele Musiker, Laien wie Profis, ein Fortschritt. Deshalb auch ein Dank an die Redaktion Digitales von Zeit Online für die Vorstellung des Projekts.


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gemüsetopf mit Apfel und Berberitzen

Zutaten für 2 Personen: je 200 g Hokkaido-Kürbis, Kohlrabi, Pastinaken, Süßkartoffeln, Äpfel alles geputzt bzw. geschält und gewürfelt bis auf den Apfel, Saft von einer Zitrone, 1 El Bratöl Olive, 2 El Gänse- oder Entenschmalz (oder nur Olivenöl), 1 El Petersilie oder Speisechrysanthemen-Blätter, 1 El Bio-Berberitzen-Beeren,  je 1 Msp Macis-, Kumin-, Sumach- und Zimt-Pulver, 1/2 Tl Majoran, Salz, 1 El Schnittlauch-Röllchen zur Dekoration.
Den Ofen auf 90 bis 100 °C vorheizen, Keramikform anwärmen. Schmiedepfanne mit 1 El Olivenöl erhitzen. Das Gemüse kann man auch etappenweise vorbereiten während eine andere Sorte brät. Die einzelnen Gemüsesorten jeweils 4-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anbraten. Das aufeinanderfolgende Anbraten und anschließende Nachgaren im Backofen berücksichtigt die unterschiedlichen Garzeiten dieser Gemüsearten.
Zuerst die Kohlrabi-Würfel auf 2/3 Hitze anbraten, in die Warmhalteform geben und im Ofen nachgaren lassen. Hitze steigern und die Würfel vom Hok…