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Früher war alles besser ...


Eine trostlose Szenerie, gerade wurden die Plakate und Aufkleber von den Schutzblechen vor den Fenstern entfernt, das Herbstlaub sammelt sich an der Treppe, die Natur fängt zaghaft an sich das Terrain zurück zu erobern.

Durch diese Tür ging es bis vor einem Vierteljahrhundert in den Bahnhof meiner Heimatgemeinde. Der Raum hinter der Tür mit den Fenstern links und rechts war der Wartesaal, hinten links ging es auf den Bahnsteig. Neben dem Ausgang zu den Zügen gab es ein kleines Büro mit Schalter an dem Fahrkarten verkauft wurden, im Hintergrund die Stellhebel für Signale, Weichen und zur Übermittlung an die Schrankenwärter. Auf dem Pult ein gusseisernes Monstrum mit dem die Fahrkarten einen Prägedruck bekamen. Daneben der Kasten mit den Prägeeinsätzen, eine Flasche mit Druckfarbe und viele Fächer mit Fahrkarten-Rohlingen, kleine feste Papprechtecke in Ocker, Braun, Grau und Rosa mit grünem Streifen. Darunter die Kassenschublade mit Münzsortierer und Scheinfächern. Kaum ein Schein verirrte sich in die Schublade, die Zugfahrten kosteten nur ein paar Groschen und die Züge hinter den Dampflokomotiven hatten noch halboffene Plattformen zwischen den Wagen. Im Wartesaal war auch immer der Duft des Dampfes, der das Aroma des Schmieröls aus den Kolben mit sich führte. 

Hinter dem linken Fenster war die Gepäckaufbewahrung und -ausgabe. Ein Raum voller Mystik und dem Duft der weiten Welt, Koffer mit Hotelplaketten aus fernen Ländern, Körbe und Kisten mit Vorhängeschlössern, alle mit einem kleinen Kartonanhänger an einer Kupferdrahtschlinge, kunstvoll am Ende zusammengedreht und eingefaltet, damit sich niemand am Draht steche. Da meine wenigen Bahnfahrten als Kind als weitestes Ziel die nächste Stadt hatten, durfte ich nie am Aufgeben oder Abholen dieser weitgereisten Bagage, wie meine Großmutter dieses Gepäck nannte, teilhaben.

Vor vielen Jahrzehnten wurde das Bahnhofsgebäude einer anderen Nutzung gewidmet, Läden, Kneipe, Wohnungen, Kiosk, bis zum aktuellen Zustand. Der Bahnsteigbereich wurde normgerecht saniert und modernisiert, gleicht jetzt den anderen S-Bahn-Haltestellen des Landes. Aber die S-Bahn fährt hier nicht, bis Übergestern vorausschauende Politiker haben die Strecke auf eingleisigen Ausbau reduzieren lassen und durch Bebauung der freigewordenen Fläche auch jede zukünftige Rückerweiterung verhindert. Auch Elektrifizierung steht nicht an, jetzt fährt im Halbstundentakt ein dieselgetriebener Regionalzug. Der ist entweder pünktlich oder er fällt aus, ab und zu wartet man vergeblich, das heißt maximal eine halbe Stunde, dann kommt der nächste Zug. Zwar gibt es seit ein paar Jahren Lautsprecher am Bahnsteig, aber außer dem automatischen Warnhinweis bei Einfahrt des Zuges ist aus diesen keinerlei Information zu hören.

Bei Herbst- und Winterwetter keine angenehme Angelegenheit. Manchmal streikt der Fahrkartenautomat, im schlimmsten Fall nimmt er das Geld und verweigert den Ausdruck. Ein Haltepunkt für Berufspendler und Schüler mit Jahreskarte.

Darf ich deshalb nostalgisch gestimmt und sentimental feststellen, dass früher nicht alles, aber mindestens der Bahnhof besser war?




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