Direkt zum Hauptbereich

Weichenstellung für Schwarz-Grün?

(c) Armin Linnartz / CCL by CDU

Eine Reihe von Kommentatoren sieht im Ergebnis der Urwahl der Grünen eine Vorbereitung auf Schwarz-Grün, die Wahl von Katrin Göring-Eckardt als Signal der grünen Realos an die Wähler und die Union. Das stimmt meines Erachtens nur zum Teil. Es dürfte im Kern weder das eine noch das andere Signal sein, sondern von jedem nur ein Ansatz. Es soll nicht ausgeschlossen sein und als notwendiges Übel gegebenenfalls akzeptiert werden. Die Konstellation wird nicht gewünscht, aber auch nicht ausgeschlossen. Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass.

Dabei wäre es eine große Chance für mehr ökologische Umweltpolitik, für solidarische Sozialpolitik, Neuausrichtung der -, Außen- und Verteidigungspolitik und am Wichtigsten auch für Veränderung bei der Finanzpolitik. Schwarz-Grün könnte einige Bereiche entrümpeln und modernisieren. Die Aufgabenstellungen aus Globalisierung und Krisen braucht dynamischere Prozesse, neues Denken jenseits alter und eingetretener Pfade. Die Welt hat sich verändert, ändert sich weiter und Rezepte von Gestern kurieren nur noch die schwindenden Probleme von Gestern.


Meine Erwartung wäre, dass nachdem Schwarz-Rot "roter" war als das Schröder'sche Rot-Grün, dass auch Schwarz-Grün "grüner" sein wird - und das wäre gut so. Verankerung von mehr Bürgerbeteiligung, direkte Demokratie, Transaktionssteuer, BGE und andere Gedankenansätze der Piraten, die den Grünen nicht fremd sind, könnten Einzug in die Realität der Bundespolitik halten.


In der Vergangenheit ist ein Eindruck entstanden, zumindest geht es mir so, dass die Kanzlerin zu wesentlich mehr Modernisierung willens ist, als ihr von ihrer eigenen Fraktion und Partei eingeräumt wird. Ihre Richtlinienkompetenz übt sie dabei nur im Rahmen der Akzeptanz auf Parteitagen aus und lässt sich durch den Mainstream ihrer Partei und vor allem von deren Funktionsträgerriege begrenzen. Sie ist keine Frau des Aufstands gegen das Establishment, keine Revolutionärin, aber eine geduldige Strategin. Ergeben sich Chancen wie eine große Koalition, ein Reaktor-Unglück oder politische Skandale, nutzt sie das Zeitfenster der Unsicherheit und stellt die Weichen neu. In der Gewissheit, dass sich nach vollzogener Neuausrichtung auch die konservativsten Bestandswahrer und Gralshüter sich dem Pragmatismus und der Normativen Kraft des Faktischen nicht entziehen können.

Diesem politischen Tiger auf der Lauer haben die Grünen nun einen Appetithappen gezeigt, die Bereitschaft zum Reiten avisiert. Wenn die Wähler daraus ein saftiges Fleischstück machen, dann werden Tiger und Reiter zusammenfinden. Die spannende Frage bleibt, werden die Grünen den Ritt auf dem Tiger besser und nachhaltiger absolvieren als die SPD, die zu früh und zu kurz abgesprungen ist. Die richtige Antwort könnte Deutschland für die Zukunft fit machen.



Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Gemüsetopf mit Apfel und Berberitzen

Zutaten für 2 Personen: je 200 g Hokkaido-Kürbis, Kohlrabi, Pastinaken, Süßkartoffeln, Äpfel alles geputzt bzw. geschält und gewürfelt bis auf den Apfel, Saft von einer Zitrone, 1 El Bratöl Olive, 2 El Gänse- oder Entenschmalz (oder nur Olivenöl), 1 El Petersilie oder Speisechrysanthemen-Blätter, 1 El Bio-Berberitzen-Beeren,  je 1 Msp Macis-, Kumin-, Sumach- und Zimt-Pulver, 1/2 Tl Majoran, Salz, 1 El Schnittlauch-Röllchen zur Dekoration.
Den Ofen auf 90 bis 100 °C vorheizen, Keramikform anwärmen. Schmiedepfanne mit 1 El Olivenöl erhitzen. Das Gemüse kann man auch etappenweise vorbereiten während eine andere Sorte brät. Die einzelnen Gemüsesorten jeweils 4-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anbraten. Das aufeinanderfolgende Anbraten und anschließende Nachgaren im Backofen berücksichtigt die unterschiedlichen Garzeiten dieser Gemüsearten.
Zuerst die Kohlrabi-Würfel auf 2/3 Hitze anbraten, in die Warmhalteform geben und im Ofen nachgaren lassen. Hitze steigern und die Würfel vom Hok…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…