Direkt zum Hauptbereich

Wurzelgemüse, ein altes Familienrezept


Das ist ein ganz altes Familienrezept, das angeblich von der Urgroßmutter meiner Mutter stammt, die war ein Kräuterweiberl, sammelte Pilze, Kräuter und Wurzeln, kannte noch keine Elektrizität, besprach Warzen, mischte Kräutertees und -schnäpse, heilte die Landbevölkerung und war weder bucklig, hässlich oder dumm, sondern hatte eine große Bibliothek und war sehr belesen. Meine Mutter kannte sie nur von den Erzählungen ihrer Oma und von ihr hatte sie auch das Rezept.

Zuerst einmal, was inzwischen nicht mehr im Rezept ist, weil es man es nicht mehr im Laden bekommt. Da ist einmal die wilde Möhre, da sollte pro Person eine Wurzel mit rein, statt dem Lauch sind es im Originalrezept Blätter und Stengel vom Giersch. Statt der Wurst war es ein Stück Bauch, gepökelt oder geraucht. Um dem ähnlich zu sein, was vor über 100 Jahren als Bauch beim Fleischhauer hing, müsste es heute Pata Negra oder eine ähnliche Qualität sein - wenn man so etwas bekommt, nur zu. Dann aber etwas Kümmel und Paprika in den Topf, da den Part im modernisierten Rezept die Wurst mitbringt.
Die Kartoffeln sollten laut Original faustgroß sein, wobei sich die Größe der Faust auf die der Gäste bezieht. Womit sich die Menge den Essenden anpasst.


Pro Person 2 Kartoffeln, jeweils halbe Menge Karotten und Petersilienwurzel (oder Pastinake, kein Sellerie),  eine Handbreit Lauch vom grünen Teil in Streifen, 1 Tl frische und gehackte Petersilie (getrocknet nur ein Viertel), 1 Tl Butter oder Schweineschmalz (Vegetarier: Maiskeimöl, keine Margarine), Salz, Wurst (150-180 g), etwas Schnittlauch oder Zwiebelrohr.

Als Wurst eignen sich kräftig gewürzte Mettenden, Rindswürste, Chorizo oder wie hier bei mir heute eine Hirschwurst aus dem Hunsrück.

Wurzelgemüse in Würfel schneiden (etwa Zuckerwürfel-Größe) und in einen Topf mit einem fingerbreit Wasser zum Kochen bringen, Salz zugeben umrühren, Hitze um ein Drittel reduzieren, Deckel aufsetzen und 8 Minuten ohne Umrühren garen lassen.

Petersilie zugeben, Gemüse vorsichtig umrühren eventuell sparsam Wasser nachfüllen, anschließend Lauch und Wurst obendrauf legen und weitere 10 Minuten bei geschlossenem Deckel fertiggaren. Wurst schneiden mit dem Gemüse auf den Teller dekorieren, mit Schnittlauch bestreuen. Servieren.


An dieser Stelle ein Gruß an meine Ururgroßmutter Jospeha, die 1905 das Zeitliche segnete ohne je mit Elektrizität in Berührung gekommen zu sein und von der ich nichts außer Geschichten und Rezepte geerbt habe. Und ich werde mich nächstes Jahr ans Originalrezept machen - hinter einer Rhizomsperre waächst schon Giersch und den Samen für Wilde Möhre habe ich auch schon. 

Nachtrag: Verwertung von Resten


Von dem Gemüse waren noch etwa 200 g übrig, das reicht mit 250 ml Gemüsebrühe, 5 cm Kurkuma-Wurzel fein gerieben, 1 Msp Bockshornklee, 50 ml Sahne für zwei Portionen Suppe. Zusammen erhitzen und mit dem Pürierstab fein zerkleinern.

Zusätzlich als Deko und zum Geschmacksboost eine Karotte und den weißen Rest vom Lauch vom Vortag in dünne Scheiben schneiden und separat in einem Löffel Butter anbraten.


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Bleigießen, ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Heute ein Partyspass an der Jahreswende. Früher ein billiges Orakel um Warnungen und Hilfen in Zeiten der Veränderung zu erhalten. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester. Ein Zeitvertreib um einen hellsichtigen Blick aufs neue Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind unbedenkliche und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen. Zumindest sollte es so sein und ein Blick auf die Packung, ob ein CE-Zeichen vorhanden ist, sollte das sicher stellen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleif…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gebratener Lachs mit Gurken

Für 2 Personen:

2 Lachs-Filets, Größe nach Hunger 150-250 g
1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
etwas Maismehl

3 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl

1 große Landgurke
1 Becher Ziegenjoghurt
1 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl
1/2 Tl Dijon-Senf
Salz, Pfeffer
1 Tl getrockneter Dill

Lachs mit ein paar Tropfen Zitrone beträufeln und verreiben, anständig Salzen und Pfeffern, mit Maismehl schwach mehlieren. Beiseite legen. Der Lachs sollte eine halbe Stunde vor dem Zubereiten aus dem Kühlschrank genommen werden oder in Fällen großer Eile 20 Sekunden bei 800 Watt in der Mikrowelle vorgewärmt werden.
Gurke in zwei Hälften scheiden, jede Hälfte in Scheiben schneiden und am Rand des Tellers auslegen.
Rapsöl in der Pfanne auf mittlerer Hitze (4 von 6) vorwärmen.
Joghurt, Öl, Senf, den restlichen Saft der halben Zitrone, Salz und Pfeffer, sowie die Hälfte des Dills gut verrühren, über den Gurkenscheiben verteilen.
Lachs von jeder Seite 2 bis 3 Minuten anbraten, dabei möglichst nicht bewegen, er kann gewendet w…