Obazda ohne Tradition


Auch wenn dieser angemachte Käse nicht der Tradition des Bayerischen Obazda folgt, im Lauf der letzten Jahre ist dies eines meiner Standardrezepte geworden, eine ganz eigene Tradition. Jedes Mal habe ich ihn bei der Zubereitung ein bisschen weiter entwickelt, damit er noch leckerer wird und auch die Beschaffung der Zutaten einfacher wird. Viele Obazda-Rezepte empfehlen Mengenverhältnissen, bei denen man am Schluss Packungsreste hat oder die Verkäuferin an der Theke überfordert, gerade in den Tagen vor dem Fest.

Deshalb sieht mein Rezept für Obazda inzwischen ganz anders aus, als es ein traditionsbewusster Bayer akzeptieren wird. 

Die nachfolgenden Zutaten in eine gekühlte Rührschüssel geben.

5 EL Zwiebellauch - in schmale Röllchen geschnitten, schräge geschnittenes Trapezmuster ist am dekorativsten - möglichst dunkelgrün, am besten eine Demeter-Qualität oder aus dem eigenen Garten. Ich hatte schon welchen von der Sekem in Ägypten, diesmal ist er von der Cooperative Biolatina Sabaudia. Gibt sowohl lauchige Würze, als auch grüne dekorative Muster. Sollte man gezwungen sein Schnittlauch zu verwenden, dann sollte man zusätzlich eine halbe Zehe gepressten Knoblauch in den Obazda geben und den Schnittlauch in mindestens 2 cm lange Röllchen schneiden, sonst sieht man ihn nicht in der Schüssel. 

1/2 TL Zitronensaft - über den Zwiebellauch tropfen - man kann auch 1 El Starkbier verwenden, aber ich bin der Ansicht, dass man erstens nicht überall Alkohol verstecken muss und zweitens ist der Obazda mit Zitronensaft ein paar Tage länger haltbar als mit Bier.

1 Camembert 150 g - in kleine Würfel geschnitten, dazu den Laib horizontal in zwei Scheiben schneiden, mit dem Außenseiten aufeinanderlegen, in Längsstreifen schneiden, quer schneiden, voila, Würfel - Keinen alten und halbflüssigen verwenden, der erschlägt mit seinem dominanten Aroma alle anderen Zutaten, sondern einen festen. Aber auch keinen tagesfrischen wenn man direkt beim Erzeuger kauft, der krümelt beim Einarbeiten. Am Besten noch eine Woche MHD und halbfest. Ich nehme meist einen der preiswerten Bio-Camemberts aus dem Supermarkt. Hier gilt, Spitzen-Camembert schmeckt solo besser und man sollte die Arbeit des Käsers nicht in einem Obazda vergeuden. Wer variieren will und nicht auf die Kosten schaut, kann auch einen Gaperon verwenden. 

1 Ziegenfrischkäse 125 g - auch hier darf es ruhig eine Standard-Qualität sein, selbst der beste Ziegenfrischkäse kann seinen Geschmack nicht gegen die andere Zutaten behaupten. Der Ziegenkäse nimmt die Farbe des Paprikapulvers an und sorgt für geschmeidige Konsistenz. Deshalb auch kein Kuhmilch-Frischkäse, der enthält meist zuviel Wasser. Auch hier gibt es gute Bio-Qualitäten zu akzeptablen Preisen. 

75 g Butter - ja, das ist mehr wie üblich, aber der Geschmack und die Farbe des Paprikas lösen sich einfach besser. Unbedingt eine Vollfettbutter mit möglichst wenig Wasser, am besten aus silofreier Fütterung. Und Süßrahm-Butter! Wegen der Geschmeidigkeit.

1/2 TL Salz - außer wenn die Butter gesalzen ist, dann entsprechend reduzieren.

1/2 Tasse Schalotten - klein gewürfelt - hier müssen es richtige Échalote sein, leicht rosa an den Oberflächen der Schichten und mit diesem einerseits ins Süße gehende Aroma, andererseits mit der eleganten Schärfe, die einem beim Schneiden die Tränen in die Augen treibt.

2 EL Paprikapulver, edelsüß - unbedingt Bio-Qualität, dann ist man vor Farbstoffen und anderen Beimengungen einigermaßen sicher, gerade bei diesen Mengen ist das von Belang.

1 EL Kümmel - ganze Körner, davon 1 TL frisch mahlen oder mörsern - am besten Waldviertler Kümmel, wenn man bekommt in Bio-Qualität, beim Mahlen tief inhalieren, soll gesund sein.

1 MSp Pfeffer, schwarz, frisch und fein gemahlen.

Alles gut durchkneten, geht auch mit dem Handrührer und den Knethaken.

Die Schüssel mit Schnittlauchhalmen und getrockneten Kornblumenblütenblättern dekorieren, man kann aber auch Zwiebelringe oder Zwiebellauch nehmen.

Zum Aufbewahren nehme ich einen Glastopf mit passendem Deckel, der eignet sich auch hervorragend zum Servieren und man sieht die ganze Pracht. Kombiniert mit selbstgebackenem Brot ein paradiesischer Moment des Genusses.

Guten Appetit!



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