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Schwefelgeruch? Bocksfüße? Sind die des Teufels?



Die Vorstellungen mancher Zeitgenossen über das Leben in homosexuelle Partnerschaften und auch über das in heterosexuellen, von bisexuellen oder polyamoren ganz zu schweigen, müssen weltfremd sein. Einige vermuten dort einseitig den Teufel am Werk, einen Abgrund an Unordnung und Abnormität. Eine Hölle für die Kinder, die von diesen Paaren adoptiert werden. 

Den religiös argumentierenden Gegnern einer Gleichberechtigung in allen Belangen sei gesagt, dass die beiden regelmäßig angeführten Bibel-Bezüge gegen Homosexualität in übelster und debilster Weise missdeutet und reaktionär instrumentalisiert werden. Die öfters erwähnte Sodomie ist in der Bibel der Verkehr mit Tieren, nicht der unter Männern, steht auch nicht als Synonym für Analverkehr. Und die andere Stelle, die verbietet einem Mann beizuwohnen wie einer Frau - das ist etwas, das in keiner schwulen Beziehung vorkommt, mangelt es doch beiden Partnern an einer Vagina. Auf lesbische Beziehungen erstreckt es sich ebenfalls nicht, diese werden in der Bibel nirgends erwähnt. Eine homosexuelle Beziehung widerspricht nicht der göttlichen Ordnung wie sie in der christlichen Bibel verkündet wird.

Gläubige Christen sollten sich eher an das Beispiel von Simon Petrus, dem Gründer der christlichen Kirche, erinnern. Dieser verkehrte mit seiner Frau nur wie mit einer Schwester (siehe Korintherbriefe), suchte aber beständig die körperliche Nähe zu Männern (alle Evangelien). Und in Palästina sind manchmal die Nächte ganz schön kalt. Ohne Fenster und Zentralheizung ist da des Nachts Gruppenkuscheln angesagt und wie dann dreizehn nackte Männer morgens zusammen aufwachen? Religiöse Eiferer sollten vorsichtig sein, damit was sie verdammen, es könnte sein ihre Verdammnis erfasst die eigenen Heiligen.

Und die Säkularen? Für diese ist selbstverständlich, dass der Staat sich aus der Regelung dieses Bereichs ganz zurückziehen sollte. Es sei denn es handelt sich um Befürworter eines rigiden Nanny-Staates und diese Gruppe ist weder relevant noch ehrlich.

Es reicht wenn der Saat einen rechtlichen Rahmen für zivile Verträge schafft und die Gestaltung den Beteiligten überlässt. Die Aspekte des Steuerrechts sollten auf die Kinder ausgerichtet werden und allein auf diese. Rentenansprüche könnten nach dem Modell des Versorgungsausgleichs in den Eheverträgen ausgehandelt werden und direkt beim Erwerb der Ansprüche aufgeteilt werden. Das erleichtert Scheidungen, ersetzt die Witwen/r-Rente durch eigene Anwartschaft und stellt mehr Gerechtigkeit her.

Aber was ist mit der Gruppe, die das Kindeswohl gefährdet sieht, da bei gleichgeschlechtlichen Eltern entweder das weibliche oder das männliche Element als Vorbild fehlen würde. Denen sei einerseits ins Stammbuch geschrieben, dass alleinerziehende Mütter oder Väter von Adoptionskindern auch nicht zwangsverheiratet werden um ihr Kind behalten zu können. Andererseits sind nicht nur der Mann und die Frau in einem Elternpaar grundverschieden, sondern auch jeweils die Männer und die Frauen unter sich. Ich kenne ein Paar, da könnte sie in Kanada professionell Eishockey spielen und er ist der "mütterliche" Gegenpart. Die Verschiedenheit von Eltern ergibt sich in den meisten Fällen automatisch, da fast nur solche "grundverschiedenen" Paare eine erfolgreiche Partnerschaft führen und die Nachwuchs mit einschließt. Eine Regelung, die auch für Hetenpaare diese Grundverschiedenheit für Adoptionen obligatorisch macht, fordert niemand.

Für die Erziehung spielt weniger die Ausstattung mit sekundären und primären Geschlechtsmerkmalen eine Rolle sondern eher der Dualismus anderer Eigenschaften und diese sind nicht geschlechtsspezifisch. Geschlechtsspezifisch sind höchstens das Umgehen und die Reaktion auf hormonelle Zyklen und Lebenszeiten, Masturbationsverhalten und spezifische Hygienetechniken für die sekundären Geschlechtsmerkmale, hier werden aber die meisten Erfahrungen der Kindheitszeit in der Peergroup gemacht und ausgetauscht. Eltern sind die letzten, die die Kinder in dieser Angelegenheit konsultieren.

Alle anderen Aspekte der Lebenswelt zwischen Kindern und Eltern sind nicht geschlechtsspezifisch. Sollte bei anderen Aspekten durch Persönlichkeit und Verhaltensweisen der Eltern die Illusion einer geschlechtsspezifischen Abhängigkeit erzeugt werden, kann dies zu Fehlprägung führen und zur Einschränkung der Entwicklung des Kindes. Teile der kindlichen Persönlichkeit, die dann nicht dieser Illusion entsprechen würden vom Kind als belastend empfunden und unterdrückt. Im schlimmsten Fall würde das Kind nur das Surrogat einer Persönlichkeit entwickeln.


Meist kommt dann aus der Gegnerschaft der Einwand, es wäre kein "normales und ordentliches" Elternhaus und beklagt, dass dieses generell seltener werde. Damit ist klar, dass es gar nicht um die sexuelle Orientierung potentieller Adoptionseltern geht, sondern um die Restauration eines überkommen Familienbildes der Biedermeierzeit - Pilcher oder Courths-Mahler als Mainstream.

Dabei hat sich die deutsche Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten erfreulich rationalisiert, sich Vernunft und Aufklärung verschrieben. Deshalb ist der ganz großen Mehrheit klar, dass das oberste Normungsgremium für Menschen, eine gewisse Evolution, inzwischen über 8 Milliarden Einzelnormen entwickelt hat. Jeder Mensch hat seine eigene individuelle und einzigartige Norm nach der er wächst und gedeiht - oder auch nicht. Jeder Mensch ist in sich und für sich normal. Damit ist auch jedes Elternhaus in und für sich normal. Egal ob hetero-, homo- oder bisexuell, egal ob Single Mom oder Dad, Elternpaar oder Patchwork-Gemeinschaft, alles ist in sich und für sich normal.

Und wenn ein Elternhaus ordentlich ist, heißt das, dass es einer Ordnung genügt, die dem gesellschaftlichen Mainstream entspricht. Es ist dies die Erfüllung des Anspruchs an Üblichkeit und Konvention. Daraus resultiert aber kein Wissen oder gar eine Erkenntnis, sondern im Gegenteil, diese Ordentlichkeit beschränkt den Horizont an Erfahrungen, Kenntnis und Fertigkeiten auf jene, die andere mit gleichen Konventionen ebenfalls haben. Bilden sich größere Populationen von Menschen mit diesem Anspruch an eine bestimmte Üblichkeit kommt es zur Bildung hermetischer Sozialsysteme. Abgeschlossene Gesellschaften mit homogenem Weltbild, geringer sozialer Dynamik und oft sogar mit rigiden Ritualen. Derartigen Gruppen formen ein geistig-ideologisches Ghetto, schränken die Möglichkeiten an sozialen und persönlichen Experimenten und Veränderungen ein, reduzieren damit die Möglichkeit der Weiterentwicklung und des Fortschritts. Als Resultat sinkt die Lebens- und Konkurrenzfähigkeit der Angehörigen dieser Gruppe, ihre Relevanz sinkt. Ein "ordentliches" Elternhaus gefährdet das Kindeswohl durch die Limitierungen die es hat oder bewirkt.

Durch diese Limitierungen gehen die Voraussetzungen für manche Erfahrungen verloren. Die betroffenen und bemitleidenswerten Kinder in ordentlichen Verhältnissen werden häufiger im Leben scheitern. Sie fallen der dynamischen Normierung durch die Evolution zum Opfer.

Ein gutes Beispiel für derartig hermetische Sozialsysteme ist der bibeltreue Südosten der USA in dem es Sezessionbestrebungen gibt um deren starres System abzugrenzen und zu schützen. Würde es dazu kommen würde der abgetrennte Teil der Gesellschaft nicht nur 30% der US-Bevölkerung mit sich nehmen, sondern auch 30% der Bundesschulden. Andererseits hat dieser Bereich nur einen Anteil von 20% am Steueraufkommen, müsste um das Wachstum der Schulden konstant zu halten die Steuern um 50% erhöhen. Die Rest-USA könnte die Steuern um 12% senken oder bei gleichem Steueraufkommen weniger neue Schulden machen. Die Zukunft der abgetrennten undynamischen Gruppe wäre damit absehbar. Aber auch die Vergangenheit ist durch diesen sozialen und evolutionären Mechanismus bestimmt. In diesen hermetischen Sozialstrukturen kommt es seit Jahren zu einem dramatischen Verfall von Allgemeinbildung und humanistischer Kultur. In der Folge sinken die Möglichkeit besser bezahlte Jobs zu ergattern, Firmen mit Bedarf an qualifizierten und kompetenten Mitarbeiter wandern ab, die Transferleistungen und Staatsquote steigen.

Demgegenüber sieht man den Erfolg des deutschen Modells der fortwährenden Anpassung und Modernisierung von Staat und Gesellschaft.


Hierzu in den Medien:






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