Direkt zum Hauptbereich

Brüderle hat Brüder im Geiste

Es gab eine Zeit, da waren Männer unter sich beim Arbeiten, in der Kirche und in der Kneipe und damit die meiste Zeit in der geredet wurde. Mit Frauen waren sie beim Essen zusammen und mit vollem Mund redet man nicht. Im Bett beim Sex war die Unterhaltung auch nicht sehr ausführlich, der Legende nach verwenden Männer dort noch die Lingua Franca der Neandertalerzeit. Besonderen Erfahrungen im Umgang mit Frauen konnten Männer deshalb über Jahrhunderte nur mit ihren Müttern und Ammen sammeln. Erst vor hundert Jahren kamen noch Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen dazu, keine all zu lange Tradition. Männer redeten nur über Frauen und nicht mit ihnen.
Zwei Feministinnen beim Frühstück.
Fragt die eine: Kannst du mir bitte die Salzstreuerin reichen?
Erwidert die andere: Nein ich hab' ne Muskelkatze.
Nun sind Politiker und unter ihnen insbesondere Rainer Brüderle als Vertreter dieser Kategorie spätsteinzeitlicher Kommunikationsmuffel aufgefallen. Man bezichtigt sie tumber und einfältiger Anmache und simpler sexistischer Anspielungen.


Sind die Vorwürfe berechtigt oder überzogen? Das ist nicht immer einfach zu trennen, ist der Mann nur unbeholfen oder schon verbal übergriffig? Der Fall Brüderle ist dabei einfach zu beurteilen. Der Rainer hat eine Bemerkung über die Brüste der Journalistin gemacht, wechseln wir deshalb die Seiten gegeneinander aus. Nehmen wir an, die Journalistin hätte eine Bemerkung zum Rainer gemacht, dass bei seiner Ausstattung im Schritt wohl eine enge Krachlederne nichts für ihn wäre. Jetzt ist es ziemlich eindeutig, oder nicht? Die Qualität ist die gleiche, nur die Richtung vertauscht. Und das Urteil gilt der Qualität des Verhaltens. Sexistisch.

Wie kann es zu solchen Verhältnissen kommen, zu einer Kultur gockelhafter Übergriffe? Diese Männer sehen derartiges Verhalten als "Spiel" um die Frau, wer nicht mitmacht gilt als Spielverderber. Männer, die sich nicht an diesem Balzgehabe, wie ihre unbefriedigten Geschlechtskollegen beteiligen, werden von diesen ausgegrenzt. Denn die Männerkreise, die diese Art der Latrinensozialisation erfahren haben, sich über Schwanzvergleiche und gockelhaftes Gebahren definieren, halten diese Art der Äußerung für selbstverständlich und adäquat. Sie pflegen immer noch diese Rituale des vergangenen Jahrhunderts. Wer dazu gehören will, etabliert sein will, muss sich diesen überkommenen Konventionen anpassen. 

Diesem Mechanismus sind auch viele der Altersgenossen Brüderles anheim gefallen. Dazugehören, Männer für besser als Frauen halten und Herrenwitze erzählen, Frauen wie Accessoires behandeln. Frauen als eine Ausstattung, ein Lebenszubehör, das den Mann schmückt und ergänzt. Dazu flache Zoten, deren Witz sich aus Riesling und anderen weichen Drogen speist. Aber es soll Männer geben. die das nüchtern ertragen oder von sich geben. Verbal Vomiting.
Ein verheirateter Mann hat eine Affäre mir seiner Sekretärin.
Sie treffen sich in ihrer Wohnung und lieben sich den ganzen Nachmittag.
Völlig erschöpft schlafen sie ein und wachen erst am Abend wieder auf.
Er zieht sich hastig an und sagte seiner Geliebten,
sie solle seine Schuhe draußen am Gras und im Schlamm reiben.
Verwundert macht sie es.
Er zieht die Schuhe an und fährt nach Hause.
"Wo warst du?" fragt ihn seine Frau sofort.
"Ich kann Dich nicht anlügen!" antwortet er,
"Ich habe eine Affäre mit meiner Sekretärin.
Wir hatten den ganzen Nachmittag Sex."
Seine Frau sieht hinunter auf seine Schuhe und sagt:
"Du verdammter Lügner und Angeber! Du hast wieder Golf gespielt!"
Sie sind damit genauso aus der Zeit gefallen wie schon die Monarchisten der Weimarer Republik, Reitersoldaten im ersten Weltkrieg und Katholiken nach dem Westfälischen Frieden. Aber wie man am letzten Beispiel erkennen kann, hält sich manche Vorgestrigkeit hartnäckig über Jahrhunderte und verwehrt sich der Erkenntnis, seltsam und atavistisch zu sein.


Hinweis: Es wird hiermit ausdrücklich bestritten, dass es sich bei den Witz-Beispielen um Zitate von Rainer Brüderle handelt. Es ist auch nicht korrekt, dass die wissenschaftliche Maßeinheit für sexistische Merkbefreitheit in Brüderle gemessen wird. Das Brüderle ist bereits vergeben, laut Hartmut Kaczmarek von der Thüringer Allgemeinen ist das Brüderle die Maßeinheit für das, was politischer Unsinn ist und auch fern jeder Realität. Quelle


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Parmesan-Cracker

Diesmal gibt es gleich zwei Rezepte in einem. Mit dem gleichen Basis-Teig kann man sowohl die Kräuter-Ausführung als auch die Variante mit Paprika backen. Ich teile den Teig immer in zwei Teile, mache dann mit einer Hälfte die Paprika-Variante (Paprika-Menge halbiert) und mit der anderen die Kräuterkekse.
Der Grundteig hat folgende Zutaten:
250 g Dinkelmehl 630 120 g Sauerrahmbutter, zimmerwarm 140 g Parmesan, fein gerieben oder in der Moulinette zerkleinert 120 g Sauere Sahne 1/2 TL Salz 1/4 TL feingemahlener weißer Pfeffer 1/4 TL Bockshornklee, gemahlen 1/4 TL Kurkuma
Aus diesen Zutaten einen Teig kneten, eine 3 cm dicke Rolle formen, in Küchenfolie einwickeln und mindestens 1/2 Stunde in den Kühlschrank legen.
Für die Paprikavariante braucht man noch 100 g Mini-Paprika. Gemüsepaprika haben eine zu dicke Wand und die Kekse sind dann nicht haltbar, vielleicht bekommt man Roma- oder Spitzpaprika mit dünner Wand, dann kann man die auch nehmen. Jedenfalls muss man sie in Streifen schne…