Direkt zum Hauptbereich

Esel-Möhre-Prinzip



Google stellt seinen RSS-Feed-Reader ersatzlos ein. Das trifft einen treuen User hart und sorgt für Enttäuschung und Verletzung des Vertrauens. Mit diesem Gefühl im Bauch einen Kommentar schreiben , nein das wollte ich nicht, erst noch Alternativen prüfen, die Situation bedenken und die Auswirkungen einschätzen, ruhiger werden. Jetzt sind ein paar Tage vergangen, ich sehe die Situation rationaler und dann passiert das. Keep.

Google präsentiert uns eine verzwergte Notizzettel-App ohne Integration, Vernetzung und Einbindung. Ein Witz von App, der an die Nachmittags-Fingerübung eines Praktikanten denken lässt. Google hat damit nicht nur innerhalb weniger Tage ein beliebtes und langjähriges Produkt aufgegeben, sondern auch die Gelegenheit verfehlt Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und Fortschritt zu signalisieren. Dazu kommt noch, dass der Reader essentiell war, eine fehlende Kernfunktion des Chrome-Browsers ersetzt hat. Im Gegensatz zu fast allen anderen Browsern verfügt Googles Chrome nicht über ein eigenes Feed-Reader-Modul. Und Keep? Wer braucht das? PostIt-Apps gibt es wie Sand am mehr. Auch Sharen und Integration sind im Angebot.

Google ist mit dieser Praxis nicht allein, viele Firmen in vielen Branchen geben bewährte Produkte auf und präsentieren nur noch suboptimale Neuheiten. Die alten Produkte, die nicht nur eine kleine Nutzer/Käufer-Gruppe haben, verwaisen oder lösen sich in Luft auf. Die Gründe werden in der Regel nicht kommuniziert, keine Transparenz der Entscheidung hergestellt. Welcher Eindruck stellt sich da ein?

Es wird nicht gefragt ob die langjährigen und treuen Konsumenten bereit wären für das inzwischen gealterte Produkt etwas zu bezahlen (oder einen höheren Preis zu akzeptieren). Die Kostenabwägung wird dem Nutzer entzogen, der Verbraucher entmündigt. Statt das Produkt mit allen Rechten zur Übernahme durch ein anderes Unternehmen anzubieten, wird einfach die Produktion oder der Betrieb eingestellt, KnowHow und angesammelte Erfahrung vernichtet. Man bekommt nicht einmal die Chance es in Manufaktur oder Handwerk selbst nachfertigen zu lassen. Selten werden Souce-Code, Konstruktion oder Rezeptur in die Public Domain entlassen, zur Open-Source erweitert. Dienste die einen spezifischen Online-Server brauchen stehen sowieso chancenlos da.

Diese Unternehmen scheinen anzunehmen, dass "man" ein Nachfolge- oder Ersatz-Produkt bzw. -Dienst akzeptieren wird. Pustekuchen, dann hätten wir dem alten doch nicht die Treue gehalten wenn es eine bessere Alternative gibt. Und die schlechteren Alternativen? Können uns gestohlen bleiben.

Im Moment sehe ich weder einen Google-Dienst, noch irgendeinen anderen Anbieter, der mir die Funktionen und den Komfort von Google Reader bietet. Und Keep? Ist nicht einmal für das verblichene G-Notebook ein Ersatz. Die Funktionen über Google Drive nachzubilden ... hanebüchen. G+ kann nicht einmal das. Eine der ChromeOS-Funktionen? Nada, Fehlanzeige.

Ausweichen auf Feedly, bei Evernote bleiben? All das was Google groß macht, die horizontale und vertikale Vernetzung der Anwendungen, die Möglichkeit öffentlich, in Gruppen oder ganz privat zu sharen, das bieten die Ersatzprodukte nicht. Google dagegen will keine Nutzergebühr, bietet dafür keine Verlässlichkeit und  keine konstante Verfügbarkeit. Mit dieser Produktpolitik eignet sich Google ein Image als erratisches, unverbindliches und damit unberechenbares Unternehmen an. Es ist kein seriöser und ernst zu nehmender Geschäftspartner mehr. 

Wer ist da noch so verrückt eigene Konzepte auf Google Diensten aufzubauen? Wer kauft noch ein Chromebook? Soll man die Anschaffung eines Mobiltelefons mit Android überdenken, was ist das schon ohne Google-Integration von Kontakten über Kalender und Mail bis hin zu Maps? Welcher Dienst kippt als nächster aus dem Sortiment? Picasa wird de facto auch aufgelöst, folgen Panoramio und YouTube und werden zu Foto- und Video-Abteilungen von Google Plus?

Was bleibt einem? Soll man auf Legalität pfeifen und in solchen Fällen Copyright, Gebrauchsmusterschutz und alle anderen Rechte ignorieren und das untergegangene Produkt 1:1 nachbauen? Was das kosten mag, ob man alle Informationen hat, ist es technisch überhaupt machbar? Da steht man nun und fühlt sich verraten.  So muss sich Mobbing anfühlen.

Dem Esel wurde die Karotte weggenommen. 

Das ist Economic Suicide Strategy.


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Bleigießen, ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Heute ein Partyspass an der Jahreswende. Früher ein billiges Orakel um Warnungen und Hilfen in Zeiten der Veränderung zu erhalten. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester. Ein Zeitvertreib um einen hellsichtigen Blick aufs neue Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind unbedenkliche und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen. Zumindest sollte es so sein und ein Blick auf die Packung, ob ein CE-Zeichen vorhanden ist, sollte das sicher stellen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleif…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gebratener Lachs mit Gurken

Für 2 Personen:

2 Lachs-Filets, Größe nach Hunger 150-250 g
1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
etwas Maismehl

3 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl

1 große Landgurke
1 Becher Ziegenjoghurt
1 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl
1/2 Tl Dijon-Senf
Salz, Pfeffer
1 Tl getrockneter Dill

Lachs mit ein paar Tropfen Zitrone beträufeln und verreiben, anständig Salzen und Pfeffern, mit Maismehl schwach mehlieren. Beiseite legen. Der Lachs sollte eine halbe Stunde vor dem Zubereiten aus dem Kühlschrank genommen werden oder in Fällen großer Eile 20 Sekunden bei 800 Watt in der Mikrowelle vorgewärmt werden.
Gurke in zwei Hälften scheiden, jede Hälfte in Scheiben schneiden und am Rand des Tellers auslegen.
Rapsöl in der Pfanne auf mittlerer Hitze (4 von 6) vorwärmen.
Joghurt, Öl, Senf, den restlichen Saft der halben Zitrone, Salz und Pfeffer, sowie die Hälfte des Dills gut verrühren, über den Gurkenscheiben verteilen.
Lachs von jeder Seite 2 bis 3 Minuten anbraten, dabei möglichst nicht bewegen, er kann gewendet w…