Direkt zum Hauptbereich

Wasch mich, mach mir aber den Pelz nicht nass


Medienberichten nach bekam der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble von seinem neuen amerikanischen Kollegen Jack Lew eine Biografie des ersten amerikanischen Finanzministers Alexander Hamilton geschenkt. Dessen Vergemeinschaftung der Schulden aller amerikanischen Teilstaaten solle als Vorbild für Eurobonds und Krisenbewältigung dienen.

Das ist aber nur die Hälfte der Geschichte.

Alexander Hamilton schuf nicht nur den gemeinsamen Schuldentopf, er schuf auch den notwendigen Gegenpart. Dies waren überall gültige und zu zahlende Steuern, die ersten Bundessteuern oder Federal Taxes. Er begründete das Office of The Commissioner of Revenue, den heutigen IRS, die amerikanische Form von Finanzamt und Steuerfahndung. Er legte den Grundstein, dass zur Finanzierung des Bürgerkriegs die Einkommensteuer eingeführt werden konnte, die in der ganzen Staatengemeinschaft Gültigkeit hatte und schon damals so komplex war, dass selbst der Präsident und andere führende Köpfe des Landes davon überfordert waren. 

Eine aktuelle politische Pointe ist der Umstand, dass dieser Präsident, der die Einkommensteuer als reine Reichensteuer (3% ab 800$ Jahreseinkommen) einführte ein Republikaner war, Abraham Lincoln.

Wollte man das Vorbild von Alexander Hamilton wirklich auf die Eurozone übertragen, dann hieße das nicht nur Eurobonds, sondern auch

  1. einheitliche Einkommensteuersätze
  2. einheitliche Kapitalertragssteuer
  3. einheitliche Durchführungsverodnung
  4. einheitliche Ausnahmebestimmungen
  5. einheitliche Erhebung
  6. einheitliche Finanzverwaltung
  7. einheitliche Steuerfahndung
Schlussendlich hat diese von Alexander Hamilton eingeleitete Entwicklung in den USA zum 16. Verfassungszusatz geführt:
The Congress shall have power to lay and collect taxes on incomes, from whatever source derived, without apportionment among the several States, and without regard to any census or enumeration.
Diese Einkommensteuern der Staatengemeinschaft können auf alle Vermögenszuwächse erhoben werden, über die der einzelne Bürger die Kontrolle hat. Nach dieser Auslegung ist jeglicher Zuwachs zum Vermögen, egal ob durch Löhne, Gratifikationen, Boni, Incentives, Aktien- oder Derivatverkäufe, durch jegliche Profite und Wettgewinne, als Einkommen zu betrachten und steuerpflichtig.

Diese andere Seite der gemeinschaftlichen Schulden, deren Refinanzierung, gehört unteilbar zum gemeinschaftlichen Finanzsystem dazu. Man kann das eine nicht ohne das andere haben.

Es ist in diesem Zusammenhang schon als bizarr zu sehen, dass die Befürworter der Eurobonds gleichzeitig Gegner der Fiskal- oder der Finanzunion sind. Die wollen trocken bleiben, während sie gewaschen werden.


Link-Hinweise:

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gemüsetopf mit Apfel und Berberitzen

Zutaten für 2 Personen: je 200 g Hokkaido-Kürbis, Kohlrabi, Pastinaken, Süßkartoffeln, Äpfel alles geputzt bzw. geschält und gewürfelt bis auf den Apfel, Saft von einer Zitrone, 1 El Bratöl Olive, 2 El Gänse- oder Entenschmalz (oder nur Olivenöl), 1 El Petersilie oder Speisechrysanthemen-Blätter, 1 El Bio-Berberitzen-Beeren,  je 1 Msp Macis-, Kumin-, Sumach- und Zimt-Pulver, 1/2 Tl Majoran, Salz, 1 El Schnittlauch-Röllchen zur Dekoration.
Den Ofen auf 90 bis 100 °C vorheizen, Keramikform anwärmen. Schmiedepfanne mit 1 El Olivenöl erhitzen. Das Gemüse kann man auch etappenweise vorbereiten während eine andere Sorte brät. Die einzelnen Gemüsesorten jeweils 4-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anbraten. Das aufeinanderfolgende Anbraten und anschließende Nachgaren im Backofen berücksichtigt die unterschiedlichen Garzeiten dieser Gemüsearten.
Zuerst die Kohlrabi-Würfel auf 2/3 Hitze anbraten, in die Warmhalteform geben und im Ofen nachgaren lassen. Hitze steigern und die Würfel vom Hok…