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Kirchentag, Humanistentag, Garkeintag


In den letzten Tagen wurde passend zum Kirchentag in Hamburg eine Statistik veröffentlicht, nach der mehr als ein Drittel der Bevölkerung keiner Konfession mehr angehören. Zusätzlich wurde ebenfalls in Hamburg erstmals als Parallelveranstaltung der Deutsche Humanistentag 2013 veranstaltet. Da ich weder mit klerikal organisierter Religion noch vereinsmäßig organisiertem Atheismus etwas am Hut habe, habe ich für mich ganz allein und individuell den Garkeintag veranstaltet. 

Garkeintag nicht im Sinne, dass der Tag jetzt nicht existiert, der Kirchentag macht ja auch nicht aus dem Tag eine Kirche oder der Humanistentag einen Tag zum Humanisten. Nein, es ist eben ein Tag oder besser gesagt vier Tage, das mit Einzahl und Mehrzahl ist bei solchen Veranstaltungen immer eine mehrdeutige Sache und beutelt Asperger wie mich nächtelang wie man das deuten soll, jedenfalls ist es ein Tag der eben "gar kein" bisschen besonders ist und sich mit "gar keinem" Thema extra beschäftigt. Und ich muss sagen, so ein Garkeintag ist schon eine tolle Sache. Das Wetter war prima, wir (meine Frau und ich) hatten Spaß, am Freitag war ich arbeiten, einen Brückentag frei zu nehmen hätte doch etwas von Pontifex an sich gehabt und das nach einem nicht-kirchlichen Feiertag, das geht nicht. Dann wäre es kein Gar-kein-Tag mehr. Für mich war es mindestens so unterhaltsam wie für die Religiösen der Kirchentag oder die Atheisten ihr Humanistentag. Es gibt also noch Raum und Gelegenheit für etwas anderes als gottlos oder gottgläubig. Ein Ignostiker bin ich deshalb noch lange nicht, dazu ist mir der Begriff zu nahe an der Ignoranz. 

An dieser Stelle muss ich wohl erwähnen, ich bin kein Gläubiger, kein Atheist, es ist mir auch nicht egal und ich bin auch nicht ignorant (hoffe ich), sondern ich bin Skeptiker. Ich betrachte sowohl die Existenz, als auch die Nicht-Existenz eines oder mehrer Götter mit Skepsis. Dagegen ist die Existenz gläubiger Menschen und ihres Glaubens evident, genauso wie Atheisten und ihre Weltanschauung evident existent sind. Genauso ist mein Weltbild existent und es ist explizit eine Weltanschauung, keine Menschenanschauung. Gläubige, Nicht-Gläubige und der ganze Rest, der mit Handtuch unterwegs ist, möge sich also nicht betroffen fühlen. Dieses mein Weltbild ist für mich, nur für mich, wenn es jemand allerdings kopieren möchte, gerne, solange er mir mein Original nicht nimmt.

Aber Apologeten, Jünger und Gegner aufgepasst, mein Weltbild ist im Fluss und verändert sich ständig, genauso wie sich das Wissen der Menschheit und die Möglichkeiten und Thesen über den Kosmos und die Existenz an sich verändern und entwickeln. Einfach kopieren reicht nicht, einfach dagegen sein auch nicht, man muss schon mit- und weiterdenken.

"Stillstand ist der Tod" hat schließlich einmal ein Aphoristiker in die Welt gesetzt, aber wir wissen auch, dass Aphoristiker die Leute sind, bei denen es nicht zu einem langen oder mehreren Gedanken gereicht hat und nur ein Aphorismus heraus kam. Da ich mich nicht kurzfassen kann, bin ich wohl kein Aphoristiker. Ich hätte hier jetzt gern ein Karl-Valentin-Motto untergebracht, aber das dauert noch fünf Jahre bis das geht.


Wahrscheinlich dämmert dem Leser jetzt wo die Reise heute hingeht, in die tiefen Gewässer der Ironie und der Satire. Wie soll man sonst von der Stelle kommen, wenn in vielen Forenthreads Betroffene beider Lager ihrer Betroffenheit Geltung verschaffen wollen und man Angst haben muss bei der Auseinandersetzung von Worten erschlagen zu werden. Das FSM ist inzwischen ein Stück aus der Mode gekommen, dem Pastafarianismus ist ein Bart gewachsen seit er viel zu ernsthaft betrieben wird und er einen eigenen Klerus und Devotionalien entwickelt. Damit kann man heute niemand mehr verblüffen oder zum Hinterfragen der eigenen Position bringen. Da kam eine Mitteilung aus der Wissenschaft gelegen und zeigte mir eine völlig neue Perspektive.

Als aufgeklärter Mensch mit Kenntnissen in Naturwissenschaften und Mathematik halte ich es tatsächlich für möglich, dass in der Zahl Pi nicht nur die Schriften Shakespeares, das Buch "Life of Pi" und die Kochrezepte von Lafer und Lichter irgendwo in kodierter Form auftauchen, sondern auch die kompletten religiösen Schriften einschließlich des Koran, der Bibel und der Bhagavad Gita. Außerdem eine chemisch-physikalische Formel zur Erzeugung von Göttern und Götterspeise. Denn dasjenige das existiert oder existieren könnte oder auch nur denkbar ist, ist irgendwo in der Unendlichkeit von Pi enthalten. Das ist das Besondere und das Schlichte an der Unendlichkeit, sie bietet einen Platz für unendliche Möglichkeiten und unendliche Vielfalt. 

Deshalb ist Pi umfassender als alle Götter, da Pi nicht nur einen Gott beschreibt, sondern alle Götter die waren und sein werden und alle Teufel und Dämonen und Urinale in den Bahnhöfen der Schweizer Staatsbahn.


Deshalb halte ich es auch für möglich dass irgendwo der abrahamitische Gott (HErr/Allah/Jahwe) existiert, irgendwo in der Unendlichkeit von Pi. Allerdings bin ich skeptisch bezüglich der Unendlichkeit von Pi, der Zulässigkeit regelmäßiger Muster in dieser Unendlichkeit und der potentiellen Rekursion. Was wenn ein allwissender Gott alle Nachkommastellen von Pi kennen muss, aber gleichzeitig einschließlich dieser Kenntnis umfassend in diesen Nachkommastellen kodiert ist? Kann Pi sich selbst enthalten ohne periodisch zu sein?

Deshalb fange ich jetzt aber nicht an Pi anzubeten und auf eine Offenbarung zu hoffen. Aber ich weiß, für den Fall dass irgendein Gott sich manifestieren sollte muss ich nur einen Faden um eine Dose binden, abschneiden und aufwickeln, aus diesem Kreisumfang werden sich dann andere Götter manifestieren, die das Problem lösen. Das glaube ich nicht, das ist eine logische Kausalität nach dem Muster wenn A=B, dann B=A. Denn wenn einer der Götter aus Pi existiert, dann müssen auch die anderen existieren. Wahrscheinlich ist das sogar der Fall und sie haben sich alle negiert als sich der erste Kreis bildete oder die erste Kugel. Worum es sich entweder um das erste Elementarteilchen dieses Kosmos handelte oder seine Bahn um das zweite. Deshalb müssen sich mathematisch gesehen alle Götter nach der Entstehung gegeneinander aufgerechnet haben oder sind noch dabei, denn konsequenterweise muss es, wenn es einen gibt, automatisch unendlich viele Götter geben, die dann unendliche Zeit brauchen sich gegenseitig zu negieren. 

Mit dieser tröstlichen Konsequenz aus banaler Mathematik möchte ich mich in die Nacht verabschieden.



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