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Pesto alla Strada del Vino


Heute Morgen machte sich im Garten ein neues Aroma breit, der Magnolienbaum ist verblüht und sein Duft verflogen, aus der Einfahrt weht sanft die Süße der Kirschlorbeer-Blüte herüber und zwischen den Bäumen drängt sich ein kraftvolles Aroma in die regenfeuchte Luft. Bärlauch! Unbemerkt hat er über den Feiertag trotz Regen zahlreiche kräftige in die Frühlingsluft gestreckt. Pesto-Zeit!

Wer teilhaben will und eigenen Bärlauch hat oder frischen bekommt, kann sich auch an diesem Rezept versuchen. Es ist mit Mandelstiften statt Pinienkernen, weil es hier an der Weinstraße (Strada del Vino, sic) Mandelbäume gibt, Mandeln ein regionales Produkt sind. Zum Teil blühen die Bäume wegen des langen kalten Wetters erst jetzt und die Mandelblütenfeste haben dieses Jahr den idealen Zeitpunkt verpasst. Aber meine Mandeln sind eh vom letzten Jahr und müssen deshalb langsam verbraucht werden.


Außer 80-100 g gewaschenen und abgetrockneten Bärlauch-Blättern braucht man auch noch die gleiche Menge Mandelstifte und entsprechend 80-100 ml spanisches Olivenöl (preiswerte herzhafte Bio-Sorte aus dem Supermarkt). Bitte kein aromatisiertes Öl oder eine totbehandelte milde Sorte nehmen, dann kann man auch ein Fertig-Pesto kaufen. Dann noch die halbe Menge, 40-50 g, eines mittelalten bis alten Bergkäses (Senner-Bergkäse aus dem Oberallgäu), eine Msp. Salz und 1/2 Tl Zitronensaft (auf kleine Kerne achten und diese gründliche entfernen).

Zuerst röstet man die Mandelstifte an, braucht man dazu etwas Öl, dann anschließend auf Küchenkrepp abtrocknen lassen. Nur leicht bräunen, schwarze Stellen vermeiden, aber durch gründliches Rühren möglichst alle Stifte anrösten. Abkühlen lassen. Nimmt man gehackte oder gemahlene Mandeln bekommt man einzelne schwarze und bittere Mandelteilchen und das Pesto-Aroma leidet. Nimmt man ganze Mandeln ist das Röstaroma zu schwach. 

Bärlauch, Öl, Salz, Käse und Zitronensaft in den Zerkleinerer geben und pürieren.


Abgekühlte Mandelstifte anschließend zugeben und nur wenige kurze Takte zerkleinern. Nicht pürieren, nur hacken. Ähnlich den Pinienkernen bei der Pesto alla Genovese. Es sollen noch Stückchen im Pesto sein, die man beißen kann. Fertig.

In ein Servier- und Aufbewahrungsglas füllen, ich nehme ein konisches 0,5l-Einmachglas mit Glasdeckel und wenn dann etwas übrig bleibt wird glattgestrichen und etwas Olivenöl obenauf gegeben, damit es frisch bleibt.


Die Pesto kommt jetzt in den Kühlschrank um vollends abzukühlen und später gibt es grünen Salat und ein paar Frischkäse-Tortelloni dazu, die gerade auftauen.


Guten Appetit!


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