Robert Schumann, Szenen aus Goethes Faust - Oper am NTM


Es ist der Abend des Pokalendspiels zwischen Bayern München und VfB Stuttgart und nur ein kleines Häufchen Kulturbeflissener hat den Weg ins Opernhaus in Mannheim gefunden. Rund 250 Besucher sitzen der geballten musikalischen Macht von über 150 Instrumentalisten und Sängern gegenüber. Eine lockere Schar dieses Publikum, kundig, konzentriert und bar jeder Attitüde. "Lauter nette Leit!" würde man in Österreich sagen. Kein Bonbonpapier-Geraschel, keine Voice-Over-Kommentare, gehustet wird zwischen den Sätzen wenn die Sänger Position beziehen, ein angenehmer Abend. Ich überlege mir tatsächlich zukünftig entsprechende Abende gezielt herauszusuchen. 

Auf der anderen Seite ein Dank an die Akteure des Nationaltheaters und der Philharmonie Baden-Baden, die diesen Abend trotz schwachen Besuchs professionell und engagiert gestalteten, was mit anhaltendem Schlussapplaus gedankt wurde. Baden-Baden war mit seinen Musiker präsent, die unter der Leitung von Joseph Trafton die Schumann'sche Musik mit Leben, mit Pathos und wenn nötig auch Bombast erfüllten ohne kitschig zu werden.

Lars Møller dominiert den Abend nicht nur als zentrale Figur, sein Bariton haucht dem Faust Leben ein, erzeugt die Bilderwelten im Kopf, derer es bei einer konzertanten Aufführung bedarf. Dagegen ist sein Gegenpart, der Böse Geist und Mephistopheles, zwar eine stimmlich solide Leistung von Sung-Heon Ha, der aber hier nicht an seine emotionale Leistung im aktuelle Ring anschließen kann. Seine Teufelsfigur ist getragen von einem wunderbaren Bass, aber eben kein bisschen dämonisch, verschlagen oder gar diabolisch. Astrid Kessler brilliert als Gretchen, was aber auch dem Rollenklischee geschuldet ist. Deshalb kann ich meine Objektivität für diesen Part nicht garantieren, die Gretchen-Symbolik ist einfach eine Goethe'sche Glanzleistung, die von Schumann genial mit Musik erfüllt wurde und auch diesmal wieder zum Tragen kam. Über die anderen Soloparts und die Solisten aus dem Chor gibt es ebenfalls nichts negatives zu sagen, seinen kleinen Parts gab dagegen Szabolcs Brickner viel Tiefe.

Und der Chor, einstudiert unter der Leitung von Tilman Michael, verstärkt durch den Extra-Chor, er alleine würde den Besuch der Vorstellung lohnen. Die waren einfach gut - Punkt.

Dass der Kinderchor von Anke-Christine Kober zu einer soliden Höhe und professionellem Standard geführt wurde ist da dann nur noch das Sahnehäubchen auf einer rundum zufriedenstellenden Vorstellung. 

Ob des Fußball-bedingten nur zu einem Fünftel gefüllten Saals kann man die professionelle Leistung und das Engagement der Beteiligten nicht hoch genug einschätzen. Die nächsten beiden Aufführungen (die letzten in Mannheim) sind auch berechtigterweise schon jetzt wesentlich besser im Vorverkauf und in zwei Wochen sind nur noch wenige Plätze in den hinteren Rängen verfügbar. Reingehen, eine konzertante Aufführung lohnt sich auch auf der Empore. Plätze ab 12€ oder für Personen mit Ermäßigung ab 6€ sind doch ein Grund mal in die Oper zu gehen. Wobei ich gerade festgestellt habe, dass man als Schüler, Student oder Auszubildender bis 27 Jahre Anspruch auf die Ermäßigung hat, dass aber außerdem noch Wehr- und Zivildienstleistende genannt werden, der Bundesfreiwilligendienst findet jedoch keine Erwähnung. Da fehlt noch eine Aktualisierung an die herrschenden Verhältnisse. 

Wer keine Gelegenheit hat die Vorstellungen am 13. Juni und 14. Juli 2013 zu besuchen, der schaut nicht endgültig in die Röhre, denn das Gemeinschaftsprojekt steht in der kommenden Spielzeit auf dem Konzertkalender der Philharmonie in Baden-Baden. (Achtung der Kalender-Link funktioniert erst, wenn die Termine feststehen.)

Wer jetzt die Kritik an der Inszenierung vermisst .... hier die Info dazu.



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