Stabilität, Frieden und Freiheit


Innenminister Friedrich war auf Amerika-Besuch und hat die Erkenntnis mitgebracht, dass die Schnüffelei der NSA mindestens fünf Anschläge verhindert hat. Vielleicht, sagen sie (die Amerikaner) jedenfalls, sagt er, es könnten aber auch nur zwei sein, vielleicht hätten sich die Amerikaner geirrt, so richtig wüssten die ja nie welcher Ort in Europa zu welchem Land gehört. Aber es hat auf jeden Fall terroristische Anschläge verhindert. Ach was sind wir jetzt erleichtert, vielleicht hat es aus Abschreckung sogar noch viel mehr Anschläge verhindert, die gar nicht erst geplant wurden. Das ist doch eine tolle Sache dieses Datenkopieren und -sammeln.

Und das ist noch lange nicht alles - wenn diese Überwachung Terrorismus aufdeckt, dann kann sie auch Computerbetrug aufdecken. Wir müssen dem Staat erlauben es viel umfänglicher zu nutzen. Die Machenschaften der organisierten Kriminalität, deren Geldströme können damit unmittelbar aufgedeckt werden, schließlich läuft der ganze Geldverkehr auch übers Internet und alle Telefonate ab der Vermittlungsstelle auch. 

Auch Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrug sind damit schnell und beweiskräftig aufgedeckt. Gewissenlose Arbeitnehmer, die krank feiern sind über die Bewegungsprofile des Handys zu entlarven. Dass man nebenbei noch den Aufenthaltsort von schulpflichtigen Kindern während der Unterrichtszeit überprüfen kann ist da nur ein gelegen kommendes Beiprodukt. Keine Schulschwänzerei mehr, ein kleiner Schritt zu einer besseren Bildung. Und bleibt der kleine Lümmel vor irgendwelchem Aushang mit erotischen Bildern zu lange stehen, dann kann man gleich das Jugendamt informieren und eine Hormonkur ansetzen, bevor sich da noch ein Triebtäter und Vergewaltiger entwickelt.

Und damit muss nicht Schluss sein, in zwei oder drei Jahren, wenn sich die Gesellschaft an die Überwachung des Cyberspace und der Telefone gewöhnt hat und ein oder zwei Drogenbarone und Menschenhändler entlarvt wurden, dann muss man einen Schritt weiter gehen. Dann muss auch die lückenlose CCTV-Überwachung her, damit man auch die Kontrolle über die Bewegungsprofile der Handyverweigerer  und kleinen Kinder bekommt. Keine Lücken, vollumfänglich und anlasslos muss die Überwachung sein um Ergebnisse zu bringen.


Briefversand wird nur noch im offenen Normumschlag zum automatisierten Scannen erlaubt und Pakete müssen verpflichtend mit Inhaltsangabe auf dem Versandetikett verschickt werden. Dazu harte Strafen wenn bei Stichproben falsche Deklarationen bemerkt werden, das ist so schlimm wie Verschlüsseln von EMails, das ebenfalls unter Strafe gestellt werden muss. 

Es muss auch das Urheberrecht geändert werden, damit die Raubkopien, die die NSA u.a. von unseren Texten, Fotos, Filmen und anderem Material erstellen legalisiert werden. Im Moment sind die Geheimdienst-Server die größten Sammlungen an Raubkopien der Menschheitsgeschichte. Das kann so nicht bleiben.

Und wenn wir uns auch daran gewöhnt haben, dann muss auch der letzte Schritt gegangen werden. Die komplette Verwanzung der Wohnungen und Arbeitsplätze. Nicht mittelalterlich wie in "Das Leben der Anderen", sondern mit Spracherkennung und automatischer Übersetzung. Wer weiß welche Verbrechen sich damit verhüten lassen. Zusätzlich RFID-Sensoren an größeren Messern, Scheren und Kettensägen, man darf keine Lücken offenlassen. Nicht zu vergessen die Mistgabel, keine Mistgabel ohne Ortungssensor. Sensen werden präventiv verboten.

Lockern darf der Staat diese Maßnahmen erst wenn der Neural-Konnektor da ist, das Gehirn-Interface, das unsere Gedanken an das Bundesamt für Lebensabsicherung und Alltagsrisikoausschluß weitermeldet. Da kann dann schon beim geringsten aggressiven Gedanken gegenüber Mitmenschen oder dem Staat ein automatisches Koma ausgelöst werden und jedes Risiko eines Anschlags oder einer Gewalttat vermieden werden.

Ja, wir sind auf dem Weg in eine schöne neue Welt.


Alles ist gut?

Kleiner Nachtrag: Das erste Foto zeigt ein Zitat aus der Originalausgabe von Aldous Huxleys "Brave New World" - schauen Sie nach ob das Zitat in Ihrer Ausgabe genauso steht wie in der Originalausgabe, und wenn nicht ... es ist nicht die einzige Stelle. Denken Sie nach warum das so ist.



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