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Helmut Kohl typisch deutsch?



War es ein Ausdruck deutscher Geisteshaltung, wenn der deutsche Kanzler Helmut Kohl kurz nach Amtsantritt mit dem Gedanken spielte aus den Migranten wieder Gastarbeiter zu machen, diese Gastfreundschaft aufzukündigen, und ehemalige Türken mit einem Handgeld nach Hause zu schicken?

Man kann eine Verhaltensweise nicht deutsch nennen, wenn sie sich nur an wenigen Jahrzehnten deutscher Gesellschaftsgeschichte orientiert ist und Hunderten von Jahren einer anderen Lebensweise in diesem Teil der Welt widerspricht. Die Idee des Deutschtums wird von Anbeginn an von der multikulturellen Mischung vieler Kulturen bestimmt. Kohls Positionen als Kanzler entsprachen in keinster Weise diesem deutschen Wesen, der überkommenen Kultur und den Traditionen des Abendlandes. Eine Weltsicht wie Helmut Kohl sie zeigte, entwickelte sich allenfalls für kurze Zeit aus den Irrlehren eines illegalen österreichischen Migranten und seiner Gefährten in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Das ist der wirre politische Geist des Sepp Goebbels.

Und Menschen migrieren nicht in die Sozialsysteme. Nur eine sehr kleine Menge der ersten Migrantengeneration, die ihre Arbeit verliert und bedingt durch Situationen in der Weltwirtschaft keine neue erhält, rutscht ins Prekariat ab und benütigt Sozialhilfe. Die überwiegende Menge der Arbeitslosen mit Migrationshintergrund sind zweite und dritte Generation von Migranten. Sie sind das Produkt unserer Gesellschaft und wie diese die erste Generation zu behandeln pflegt. Wenn die Menschen ausgeschlossen werden und unbefristeter Aufenthalt oder Staatsbürgerschaft verwehrt werden, wenn kein Schritt auf sie zugegangen wird, die Vorteile ihrer fremden Kultur aufgenommen wird und nur das Überholte und Fehlerhafte zurückgelassen wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn sie in ihrer Herkunftskultur verharren und keine Integrationsbereitschaft zeigen. Diese Menschen bringen Werte und Eigenschaften mit, auf die sie stolz sind, die es wert sind tradiert und übernommen zu werden. Auch diesen Teil der Integration gilt es zu leisten. So entsteht eine Gegenseitigkeit, in der sich beide Seiten kulturell bereichern. Macht man das nicht, verharren die Zuwanderer mit einem Bein in der Heimat, sind bereit die neue Heimat zu verlassen und wieder zurückzukehren. So wird man nicht Teil der deutschen Lebenswelt. Diese Migranten kommen nie richtig an, bleiben auf dem Sprung.

Galerie in Istanbul mit türkischen Gemälden
Wo finden wir in unserer Alltagskultur Übernahmen aus der türkischen Kultur, sei sie muslimisch oder nicht. Die Türkei ist mehr als ihre islamische Seite. So wie Deutschland mehr ist als seine christlichen Anteile. Gibt es türkische Musik im Mainstream? So wie britischen Pop, italienische Oper oder Spanischen Flamenco? Ist es selbstverständlich in der deutschen Küche Piden und Baklava zu backen, wie es selbstverständlich ist Pizza, Paella und Tsatsiki zu backen und kochen? Türkische Romanautoren, Maler, Komponisten oder Sänger im Kanon der von Deutschen angenommenen Weltkultur? So wie es nicht mehr auffällt wenn spanische, italienische, griechische oder französische Elemente unsere Kultur und unser Alltagsleben ergänzen und bereichern. Wer denkt daran, dass Beethovens Großvater ein Zuwanderer war? Dass Beethoven den brabanter Komponierstil seines Opas mit dem seines sächsischen Lehrers verschmolz und so etwas Neues und Gewaltiges schuf. Das ist Deutsch. Oder dieser Unternehmer in Ladenburg, der eine dreirädrige Kutsche nahm, wie sie von kroatischen Migranten nach Deutschland gebracht wurde, dazu eine Gasölmotor-Technik aus Luxemburg und eine Steuerung nach französischem Vorbild und daraus eine technische Collage zusammensetzte, deren moderne Nachfolger heute den wesentlichen Teil der deutschen Exporte ermöglichen.

Über viele Zeitalter, mindestens seit der Zeit der Bandkeramik, war es Brauch in dem Teil Europas, der sich seit knapp 150 Jahren Deutschland nennt, die besten Techniken, Handwerker, Künstler und ihr Wissen zu übernehmen, sich zu eigen machen, sie zu germanisieren. Abzukupfern und Kopieren bekam ein eigenes weltbekanntes Etikett "Made in Germany", Ausdruck geklauter und assimilierter Technik. Deutschland war das Stew, der Eintopf der Kulturen und Völker. Stämme der Goten, Wandalen, Mongolen und Tartaren, Nordmannen und Levantiner, Römer, Ruhrpolen, Hugenotten, Schlesier und Italiener, die aus den Dolomiten kamen um im Sommer Eiscreme herzustellen und deutsche Kinder glücklich zu machen. All das, all diese Menschen, wurde Teil der deutschen Identität.

Und schauen wir auf die Religionen, auch da machten die Deutschen mit der Reformation aus dem christlichen Reformjudentum etwas Neues und Originäres, genauso wird es auch dem Islam im Mahlwerk der deutschen Gesellschaft ergehen, er wird verändert und erneuert, verschmolzen und seine nützlichen Teile weiterbestehen. Viele islamische Elemente entsprechen untergegangenen Elementen vergangener deutscher Kultur, sei es die Burka, die traditionellen Trachten der Kaschuben im Mittelalter gleicht, und so urgermanisches Brauchtum darstellen, seien es Riten und Gebräuche im Umgang der Geschlachter. Noch bis in die 1970er Jahre war es auch in Deutschland üblich und gesetzlich abgesichert, dass Frauen kein Selbstbestimmungsrecht hatten.

Die Generation vor der Nazifizierung durch das Regime der Arbeiter- und Bauernpartei wusste darum und praktizierte Offenheit, Kultur- und Technologietransfer durch Zuwanderung. Pizza und Tzaziki hatten eine Chance. Nur die Nachkriegsgeneration ergriff diese Chance nicht, öffnete das Land nicht den Möglichkeiten, die mit fremden Kulturen und Menschen daherkommen. Die Migranten der Nachkriegszeit hatten schlechte Karten, hohe Hürden und wenig Möglichkeiten nicht nur da zu sein, sondern auch anzukommen.


Deshalb kann man sagen, dass sich Kanzler Helmut Kohl nicht wie ein richtiger Deutscher verhielt, keine deutschen An- und Absichten hatte und ein schlechter Patriot war. Mit solch dummer Perfidie hätte er den Wurzeln des deutschen Aufstiegs und Erfolgs geschadet. Die vergangenen Jahrhunderte haben uns einen anderen Weg gezeigt, einen erfolgreichen Weg, den deutschen Weg. Ein Leugnen und eine Abkehr von dieser Tradition hätten in Stagnation und Erstarrung geführt, jede Chance zur Weiterentwicklung geraubt und wären der Anfang vom Untergang dieser großartigen Nation gewesen.



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