Gott lebt nur in der Matrix


Der Mathematiker und Logiker Kurt Gödel hatte sich auch an einem Gottesbeweis versucht, der es als Gedankenexperiment und Lehrstoff in Logik zu einiger Berühmtheit brachte.

In den letzten Tagen sorgte die Erklärung der Computerwissenschaftler Christoph Benzmüller (Freie Universität Berlin) und Bruno Woltzenlogel Paleo (TU Wien), dass es ihnen mit einer Umsetzung von Gödels Beweis in Computerform und Abarbeitung durch ein Programm gelungen wäre die Korrektheit des Beweises zu bestätigen.

Von den Medien wurde dies als mathematischer Beweis Gottes verkauft - dies ist falsch. Bestätigt wurde nicht Gott oder seine Existenz, sondern nur die Logik von Gödels Beweis. 

Aus dieser Bestätigung den Beweis einer Existenz eines Gottes abzuleiten ist irrig und missversteht das grundlegende Prinzip jeder Logik und den Gödels Beweis innewohnenden Konflikt mit der Realität.

Das beginnt schon damit, dass die Axiome und Annahmen von Gödel rekursiv und selbstreferentiell sind. Hier wird durch Auswahl von Kriterien bereits deren Korrektheit und Funktionieren in einer Logikkette festgelegt. 

Als Beispiel nehme ich Axiom 3 "The property of being God-like is positive" heraus, dies ist entweder selbstreferentiell richtig oder subjektiv falsch, aber nie objektiv zutreffend. Hierfür wäre ein separater Beweis nötig und dieser wäre wiederum kein objektiver Beweis, da der Begriff "positiv" eine subjektive Wahrnehmung benennt. Das Axiom verweist damit nicht auf irgendeinen Gott an sich als existentielles Subjekt, sondern auf einen subjektiven Gottesbegriff. Was bei Gödel bewiesen wird, ist nicht dass ein Subjekt Gott real existiert, sondern dass der Gottesbegriff und die Vorstellung eines positiven Gottes existiert. Und das wurde nie von irgendjemand bezweifelt, da schon die Reflektion über den Gegenstand "Gott" die Existenz der Gottesvorstellung beinhaltet. 

Tatsächlich ist die Eigenschaft, gottähnlich zu sein, keine positive, sondern eine negative. Gottähnlich zu sein impliziert Omnipotenz, Omnipräsenz, Allwissenheit und grenzenlose Hybris, nichts davon ist eine positive Eigenschaft. Da könnte man auch beginnen die NSA anzubeten und Prism einen Altar zu bauen. Dann betreibt beispielsweise der abrahamitische Gott eine mystische Nachwelt namens Paradies in der menschliche Seelen für ein Googol an Jahren in konstantem monotonem Glücksrausch gefangen gehalten werden und ihnen die Wiedergeburt verwehrt wird. Eine grauenhafte Vorstellung jenseits jeder positiven Wertungsmöglichkeit, ein Albtraum, der nur Endorphin-Junkies und Crack-Süchtigen erstrebenswert scheinen könnte.

Damit ist Gödels Beweis in seiner Semantik fehlerhaft und durch das selbstreferentielle Konstrukt kann dies von einer rechnergestützten Logikkontrolle nicht überwunden und erkannt werden.

Im Gegenteil, dadurch dass der Rechner bestätigt hat, dass Gott nur existieren kann wenn er vollendet positiv ist und dann auch existieren muss, lässt dies den Umkehrschluss zu dass es für jede Zusammenstellung an Vorstellungen über das Positive auch genau einen Gott gibt. Da jeder Mensch seine eigene Mixtur an positiven Aspekte entwickelt muss es demnach für jeden Mensch einen individuellen und einzigartigen Gott geben. Der dann wiederum nicht omnipräsent und omnipotent sein kann. Womit er wiederum den Gottesbegriff nicht erfüllt. Damit hat der Beweis von Gödels Logikkette am Ende die Unmöglichkeit der Existenz eines einzelnen Gottes geleistet und in der Folge auch erfolgreich in Frage gestellt, dass es für jeden einzelnen Menschen einen individuellen persönlichen Gott geben könnte.

Am Schluss noch ein Ausflug in die Logik und eine Hausaufgabe: Ersetze das Wort "Gott" in Gödels Gottesbeweis durch "Zombie" und "gott-ähnlich" durch "zombiehaft", sowie "positiv" durch "negativ". Damit gelingt es die Existenz von Zombies zu beweisen.

Jeder Student, der den ersten Kurs in Logik besucht und mit Gödels Werk konfrontiert wird, sollte dieses spezielle logische Konstrukt als das nehmen, als das es gedacht ist, als Warnung rekursive und selbstreferentielle Logik zu verwenden. Und Isomorphien als Axiome zu meiden, da diese immer im Sinne der Logik korrekt sind, auch wenn sie in der realen Welt nicht zutreffen. 

Die Computersuche nach einem frei
verwendbaren Bild von Gott lieferte dieses Ergebnis

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