Direkt zum Hauptbereich

Abenddämmerung über der US-amerikanischen Volkswirtschaft

Afterglow of the American economy

Senator Ted Cruz - das Gesicht der Tea Party
Der Mann, der 2013 die Bonität der USA zerstörte
Die USA scheinen wenige Stunden vor der Zahlungsunfähigkeit das Schicksal der Insolvenz abgewendet zu haben und eine Einigung gefunden zu haben, die erneutes Drucken von frischem Geld Schuldscheinen erlaubt. Damit kann der Staatshaushalt für einige Wochen weiter finanziert werden. 

Am Grundproblem, dass man mehr Geld ausgibt als einnimmt ändert dies nichts. Dass man eine gespaltene Gesellschaft hat, in der die Reichen weniger Steuern zahlen als der Mittelstand und die Armen immer mehr werden, daran ändert sich auch nichts. Dass die Wirtschaft große Bereiche der Realwirtschaft in Billiglohnländer verlagert hat und damit Arbeitslosigkeit importiert hat, daran ändert sich auch nichts. Dass man die Wertschöpfung der Großindustrie durch Steueroptimierung in Niedrigsteuer-Ländern verlagert hat und damit die Staatseinnahmen ausgehöhlt hat, daran ändert sich auch nichts. 

Es ist sogar schlimmer geworden, es ist deutlich und unübersehbar vorgeführt worden welchen Effekt die Agenda der Tea Party auf die USA und die Weltwirtschaft hat. Ein unkalkulierbares Risiko, selbst jetzt um Mitternacht europäischer Zeit ist noch nicht klar ob die Rettung gelungen ist, oder ob wir morgen früh europäischer Zeit in den Trümmern einer zerbrochenen Weltwirtschaft aufwachen und auf die Rettung durch China und die anderen BRICS-Staaten hoffen müssen, die zusammen mit der EU unter großen Entbehrungen eine neue Weltordnung zimmern müssen. Noch weiß keiner was der morgige Tag bringen wird.

Und es ist absehbar, dass selbst bei günstigem Ausgang sich das Drama in einigen Wochen wiederholt, wenn die USA wieder ihre Schuldengrenze erreichen. Hier hat sich ein Damokles-Schwert, in Form der Tea Party und ihres aktuellen Frontmanns Ted Cruz, fest über uns installiert und bedroht uns fortan.

Es ist deshalb an der Zeit vorzusorgen, Entscheidungen zu treffen, die die Abhängigkeit von Dollar und US-Wirtschaft minimieren und für den schlimmsten Fall vorsorgen und den Rest der Weltwirtschaft entkoppeln.

Dazu sind mehrere große Schritte und unzählige kleine Maßnahmen nötig. Ein paar möchte ich als Anregung in den Raum stellen.
  • Abbruch der TTIP-Verhandlungen, keine Intensivierung des Warenaustausches, erst Recht nicht mit einseitiger Begünstigung der US-Wirtschaft auf Kosten der EU-Volkswirtschaften, -Unternehmen und Bürger. 
  • Aufforderung an Großbritannien seine starke Verflechtung mit der US-Wirtschaft abzubauen und dazu auch den Anteil der Finanzindustrie an der britischen Wirtschaft zu reduzieren. Andernfalls ist Großbritannien aus der EU auszugliedern und auf Beitrittsstatus zurückzustufen.
  • Aufnahme aller Beitrittskandidaten, vor allem der Türkei, in die EU. Dadurch soll das Wirtschaftsvolumen vergrößert werden und der Anteil des Binnenmarktes drastisch ausgebaut werden um im Gegenzug den Anteil der USA schneller zu senken.
  • Die BRICS-Staaten müssen ihre Ansätze zur Währungsunion intensivieren und beschleunigen um eine Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Dollar schneller zurückzubauen.
  • Parallel zum BRICS-Währungsprojekt muss die EU ihren Part erfüllen und die Eurozone auf die EU27 und anschließend auf die EU34 ausdehnen. Der Euro muss als Währung eines Wirtschaftsraums mit 650 Millionen Einwohnern genug träge Maße entwickeln um robust gegen ein amerikanisches Desaster stehen zu können und als Weltwährung den Dollar mittelfristig zu ersetzen.
  • Unternehmen müssen weltweit einen Plan B bereithalten für den Fall der Fälle, man muss Ersatzlieferanten außerhalb der USA haben um im Falle des Staatsbankrotts kurzfristig auf andere Quellen zugreifen zu können und die Versorgung sicher zu stellen. Umgekehrt führt das dann dazu, dass sich gleichzeitig für alle Lieferanten neue Kunden ergeben, die den Wegfall der USA als Abnehmer kompensieren. 
  • Da Kapitalgeber kein amerikanisches Außenhandelsdefizit mehr finanzieren müssen, sind am Weltmarkt zusätzliche Gelder für Investitionen und Konsum verfügbar, die den Wegfall der USA als Konsummarkt ersetzen können. Fonds und Banken müssen für diesen Fall vorausplanen um möglichst rasch reagieren zu können. Mit einer konzertierten Aktion und entsprechenden Notfallplänen könnte die Weltwirtschaft den Ausfall der USA innerhalb 24 Stunden kompensieren.
  • Kompetente und gut ausgebildete US-Bürger müssen unbefristete Visa mit Arbeitsgenehmigung ausgestellt werden, Abstammung in der EU kann als Grund für zügige Einbürgerung verankert werden und eine rasche Integration sollte keine Probleme aufwerfen. Wir müssen eine Einwanderungsstrategie entwickeln und offensiv bewerben. 
  • Für die Zeit nach dem Zusammenbruch gibt es die Option die USA zur Sonderwirtschaftszone zu erklären und Hilfsprogramme aufzulegen, es könnte jedoch die bereits in Bau befindliche Grenzsicherungsanlage übernommen werden und die USA nach dem Beispiel der Palästinensergebiete isoliert werden. Über eine Öffnung der Mauer oder über einzelne Kontrollpunkte zur Ausreise kann man nachdenken, wenn die Demilitarisierung und Entwaffnung der Bevölkerung erfolgt ist.
  • Ob es sinnvoll ist Mitglieder der Tea Party als Angehörige einer terroristischen Vereinigung zu verfolgen muss überprüft werden. Der UN-Sicherheitsrat müsste dann überlegen Guantanamo Bay völkerrechtlich als UN-Protektorat zu übernehmen und das Lager dort umzunutzen.
Es gibt noch zahllose andere Möglichkeiten für den Ernstfall vorzusorgen, der wichtigste Schritt ist der erste, die Angelegenheit ernst zu nehmen und sich vorzubereiten auf den Fall der USA. 

Solange die USA nicht den Weg finden sich zu einem demokratischen Rechtsstaat, einer nachhaltigen Ökonomie und einer stabilen Währung zu entwickeln, solange muss der Rest der Welt sich vorbereiten und Schritt für Schritt die Abhängigkeit und Vernetzung verkleinern.



Linkhinweise:

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Gemüsetopf mit Apfel und Berberitzen

Zutaten für 2 Personen: je 200 g Hokkaido-Kürbis, Kohlrabi, Pastinaken, Süßkartoffeln, Äpfel alles geputzt bzw. geschält und gewürfelt bis auf den Apfel, Saft von einer Zitrone, 1 El Bratöl Olive, 2 El Gänse- oder Entenschmalz (oder nur Olivenöl), 1 El Petersilie oder Speisechrysanthemen-Blätter, 1 El Bio-Berberitzen-Beeren,  je 1 Msp Macis-, Kumin-, Sumach- und Zimt-Pulver, 1/2 Tl Majoran, Salz, 1 El Schnittlauch-Röllchen zur Dekoration.
Den Ofen auf 90 bis 100 °C vorheizen, Keramikform anwärmen. Schmiedepfanne mit 1 El Olivenöl erhitzen. Das Gemüse kann man auch etappenweise vorbereiten während eine andere Sorte brät. Die einzelnen Gemüsesorten jeweils 4-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anbraten. Das aufeinanderfolgende Anbraten und anschließende Nachgaren im Backofen berücksichtigt die unterschiedlichen Garzeiten dieser Gemüsearten.
Zuerst die Kohlrabi-Würfel auf 2/3 Hitze anbraten, in die Warmhalteform geben und im Ofen nachgaren lassen. Hitze steigern und die Würfel vom Hok…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…