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Ben Aaronovitch's "Rivers of London", eine Urban Fantasy Reihe


Ben Aaronovich war mir im Gedächtnis als der Autor, der die Daleks das erste Mal fliegen ließ. In meiner Buchhandlung, sah ich vor dem Regal mit den englischsprachigen Titeln das aktuelle Werk "Broken Homes", den vierten Band der Reihe. Ein kurzes Anlesen, den darüber stehenden Band "Whispers Underground" ebenfalls angelesen, beide gekauft und die dazwischen liegenden bestellt. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Eskapismus, Krimi, Mystery, Fantasy und Gesellschaftskritik in einem, was will der gelangweilte Linksintellektuelle in mir mehr zur Unterhaltung und Entspannung. Naja, da fällt mir zwar noch einiges ein, aber darüber werde ich weder hier eine Rezension einstellen noch auf Facebook oder Tumblr Bilder.

Worum geht es in der "Rivers of London" betitelten Buchreihe, an deren fünftem Band der Autor gerade schreibt. Der Protagonist, ein dunkelhäutiger Wachtmeister, frisch aus der Ausbildung, stößt im Dunkel der Nacht auf das erste übernatürliche Phänomen und entdeckt bei dieser Gelegenheit nicht nur seine besonderen Fähigkeiten, sondern erweckt auch die Aufmerksamkeit seines zukünftigen Mentors und Chefs. Er findet Platz in dessen Polizeieinheit für übernatürliche Fälle und bekommt eine dazu passende Ausbildung. Dieser Rahmen gibt reichlich Gelegenheit für Konfrontationen mit der britischen Alltagsgesellschaft des zeitgenössischen London und verpasst damit den Geschichten nicht nur in Sachen Humor einen typisch britischem Touch. 

Als Beispiel eine Textstelle aus dem zweiten Buch der Reihe, die sowohl typisch für den Stil ist als auch vermeidet den Inhalt zu spoilern, es geht um "Black Magicians", "Political Correctness" und nicht vergessen, der Held ist selbst Magier und ein Schwarzer:
"What should we call them?" he asked patiently.
"Ethically challenged magical practitioners," I said.
Es ist eine Welt der Polizeibeamten im Kampf gegen korrupte Kollegen und Vorgesetzte, die steigenden Anforderungen einer technologisch fortschreitenden Gesellschaft mit CCTV, Smartphones und Computer, limitierten Budgets und persönlichen Beziehungsgeflechten. Soweit ist es eine solide und klassische Copper-Story, wie man sie von Luther und ähnlichen britischen TV-Serials kennt. Die übernatürliche Fantasy-Komponente schleicht sich nebenbei ein und ist für den Helden so unerwartet und mit der Realität unvereinbar, wie für den Leser. Beide werden auf gleicher Höhe in die Welt der Naturwesen, Flussgötter und Magie eingeführt. Diese Welt, neben der allgemein vertrauten Realität, wird dem Leser durch die neugierigen Augen des Polizisten Peter Grant vorgestellt, der als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts die Phänomene wissenschaftlich hinterfragt und zu deuten versucht. Dass dabei ein Schoßhund zur Messlatte wird ist eine der britisch-grotesken Pointen, die mit Nonchalance, nebensächlicher Selbstverständlichkeit und ohne logische Brüche eine bunte Welt entstehen lassen. Eine Welt die spannend ist und neugierig auf die weitere Entwicklung macht. Denn auch die Figuren werden mit Tiefe und Vielfalt entwickelt, sind keine platten Klischees und simple Schachfiguren des Autors.

Leute, lest und kauft das Zeug, damit noch mehr Fortsetzungen geschrieben werden. Dann kommt nach Band 5 (hoffentlich im Sommer oder Herbst 2014) auch noch ein Band 6. Ich bin schon neugierig auf den Fortgang.


Titelliste:
  1. "Midnight Riot" oder auch "Whispers Underground" - deutsch als "Ein Wispern unter Baker Street"
  2. "Moon over Soho" - deutsch als "Schwarzer Mond über Soho"
  3. "Rivers of London" - deutsch als "Die Flüsse von London"
  4. "Broken Homes", bis jetzt nur als englische Hardcover-Ausgabe, Paperback im Frühjahr 2014


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