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Dunkle Zeiten, die Bürgerrechte lösen sich auf

[Beitrag von Gestern auf Deutsch, nachdem ich aus Faulheit zwei englischsprachige Foren- und Gplus-Posts zusammengeschrieben hatte.]

Die dunklen Zeiten kommen nicht, sie haben längst begonnen. Wir haben uns angepasst und die Erkenntnis könnte uns blenden.

"Das Internet ist kaputt" war ein Artikel des bekannten deutschen Bloggers Sascha Lobo in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Wochentagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen veröffentlichte gestern eine Antwort von Oliver Georgi, Redakteur und Journalist im Politik-Ressort, der dieser Aussage widerspricht. Er legt ausführlich klar, dass das Internet nicht durch verlorene Freiheit beschädigt würde, denn es wäre nie frei gewesen oder hätte je frei sein sollen. Das wäre kein Schaden, sondern Normalität.

Das ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der ersten Beispiele für den dritten Akt in der großen Inszenierung. 

Erster Akt waren die Entdeckungen von Snowden, gedacht um ein allgemeines Wissen über das Ausmaß der Verletzung der Intimsphäre zu erzeugen. Diese Enthüllungen wurden dafür in zahlreiche kleine Teile aufgeteilt, sodass jeder Teil keine große und zerstörerische Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, sondern auf unterschiedliche Teile der Gesellschaft und beruflicher Interessen ausgerichtet ist und nur genau eingegrenzte Wirkung entfaltet. Salami-Taktik.

Zweiter Akt war die anhaltende Diskussion, die die Menschen mit dem Ausmaß der intimen Einschüchterung vertrauter machen soll, Gewöhnung erzeugen soll. Begleitet von kleinen Etappen der großen Enthüllung wurde nach und nach das gesamte Spektrum der Gesellschaft in die Diskussion einbezogen. Jeder hatte die Chance, etwas zu sagen, seinen Standpunkt zu finden und zumeist wurde die Angelegenheit einfach ignorieren - weil man geheime Spionage im täglichen Leben nicht sehen, hören oder riechen kann. Für die meisten Menschen wurde es irrelevant. Unterstützt wurde diese Spirale der Ignoranz durch die gebetsmühlenhaften Aussagen fast aller Beteiligter, es ist drehe sich alles um die Privatsphäre. In Wahrheit geht es um die Intimsphäre, um Einschüchterung und Kontrolle.

Dritter Akt ist die offizielle Beschwichtigung. Ein schleichender Prozess, bei dem die Menschen sich wohl fühlen sollen, es sich in der Situation komfortabel machen. Nach dem Motto, "es ist eine Tatsache, man kann nichts tun, es ist wie schlechtes Wetter." Dazu gehören auch die oben genannten Artikel und viele offizielle Aussagen, einschließlich der Obama-Rede. Sie alle erfüllen die Aufgabe, die Bevölkerung mit dem staatlichen Stalking und der Bespitzelung ihrer Gedanken und Gewohnheiten vertraut zu machen, Gewöhnung zu erzeugen.

Vierter Akt wird eine Welt sein, die akzeptiert bespitzelt zu werden. Die Überwachung wird Teil des Hintergrundgeräuschs des täglichen Lebens, wie Verkehrslärm und die schlechte Luft in Städten sein. Unser Gehirn ignoriert den ständigen Reiz, nur wenn wir aus dem Urlaub kommen fällt uns der üble Geruch noch auf. Wir gewöhnen uns daran. Wir hören auf uns zu beschweren.

Mehr und mehr gleicht der Fortgang der Prism-Affäre um NSA und GCHQ einer Inszenierung, dramatisch in Szene gesetzt um die Totalüberwachung zur Selbstverständlichkeit im Alltag zu machen. Ob Snowden und seine Enthüllungen eine Strategie der NSA sind oder nicht, egal ob er ein Bauer im Spiel ist oder ein Dissident, das Ergebnis das gleiche. Der verfassungswidrigen Angriff auf die Privatsphäre und die Intimität der Bürger der Welt, der Kleinkinder und größeren Kinder, aller Erwachsenen und älteren Menschen, alle gewöhnen sich daran Opfer zu sein. Es wird wie schlechter Mundgeruch, nur wenn wir mit der Nase bei anderen darauf stoßen, bemerken wir ihn.


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