Gutschein-Verkauf kein Umsatz


Manch Einzelhändler frischt seine Bilanz mit den "Verkäufen" von Gutscheinen auf und rechnet diese in seine Weihnachtsgeschäfte mit ein. Dabei sitzt er aber einer doppelten Täuschung auf und begibt sich in rechtlich bedenkliches Fahrwasser.

Die Ausgabe eines Gutscheins ist kein Umsatz. Es muss auch keine Umsatzsteuer auf diesen Vorgang abgeführt werden. In der Buchhaltung ist er als erhaltene Anzahlung zu verbuchen und stellt eine Forderung des Gutscheininhabers dar. Erst zum Zeitpunkt der Einlösung erfolgte ein Warenverkauf, der aber unabhängig davon verbucht wird ob er gegen einen Gutschein oder gegen Bargeld oder Lastschrift oder Kreditkarte erfolgt. Umgekehrt gilt bei bargeldlosen Zahlungen der Warenumsatz als sofort zu verbuchen und zu versteuern, unabhängig vom tatsächlichen Zeitpunkt der Wertstellung des Geldflusses.

Das Buchen von ausgegebenen Gutscheinen als Warenumsatz könnte man sogar als Versuch der Bilanzfälschung betrachten, täuscht es doch über den wahren Umfang der Verbindlichkeiten und Umsätze.

Wird der Gutschein zurück in Bargeld getauscht ist dies ebenfalls ein steuer- und erlösneutraler Vorgang. Es entsteht dadurch kein Verlust, da es keinen Gewinn aus dem Gutschein-Verkauf gab.

Wird der Gutschein jedoch nie eingelöst, verfällt er nach drei Jahren und so entsteht ein Gewinn, da die Forderung nicht mehr bedient werden muss. Dieser Forderungsverzicht stellt ebenfalls keinen Umsatz dar, sondern einen außerordentlichen Erlös. Umsatzsteuer wird hierauf nicht fällig, da es sich nicht um Warenverkehr handelt. 

Gutscheine für Nachlässe, Rabatt-Coupons oder Bonusprogramme verändern nur den Warenpreis, nehmen damit nur indirekt auf den Umsatz Einfluss, sind selbst kein Gegenstand von Bilanz oder steuerlicher Feststellung. Sie können sich jedoch auf die Inventurbewertung auswirken, falls durch pauschale Rabattaktionen ("20% auf alles außer Tiernahrung") der Wert des Warenbestandes beeinflusst wird. In diesen Fällen ist auf den Teil des Lagerbestandes, der voraussichtlich in einer derartigen Aktion verkauft wird, ein entsprechender Abschlag vorzunehmen.


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Warnhinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar und soll diese auch nicht ersetzen. Vor der Anwendung in Ihrem konkreten Fall sprechen Sie mit Ihrem Anwalt oder Steuerberater.



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