Direkt zum Hauptbereich

Erkältungsmittel im Test - Arbeitsfähigkeit statt Heilung

by Bruce Marlin CC-BY-SA-2.5 via WikimediaCommons

Auf SpiegelOnline ist ein Artikel zu rezeptfreien Erkältungsmitteln erschienen. Die Bewertungen sind dabei sehr kritikwürdig und aus meiner Sicht bedenklich. Sie richten sich nach dem altväterlichen Prinzip - es wirkt gut wenn es arbeitsfähig macht - ohne Rücksicht auf die längerfristigen Folgen.

"Reiß dich zusammen ...", sagte der Opa und wenn man es machte, was kam heraus? Ein zusammengerissenes Wrack, ein desolater Körper, ein kranker Mensch.

Deshalb eine kurze Auflistung meiner Meinung zu den Präparaten aus der Sicht eines Menschen, der Heilung vor Funktionsfähigkeit stellt und Gesundung vor das Verstecken von Symptomen. 

Sinupret: Verändert die Sekretion in den Nasennebenhöhlen, es bildet sich weniger zähflüssiger und mehr dünnflüssiger Nasenschleim. Dadurch ist das Aushusten und Schneuzen einfacher, deshalb durchaus nützlich. Gerade in der Nacht kann das Sekret in den Mund fließen und geschluckt werden ohne im Rachen hängen zu bleiben.

Umckaloabo: Ähnlich Sinupret, aber weniger starke und unmittelbare Wirkung, aber für Kinder als Lösung verträglicher. Siehe oben, Schleimfluss.

Meditonsin: D5 ist 1:10000, also 2 mal 3,5 mg und 1 mal 3,5 µg Phytowirkstoff pro Packung, das ist eine Menge, die bei chemische-pharmazeutischen Wirkstoffen nicht anders ist. Hier schon von Homöopathie zu sprechen beweist nur, dass manche Menschen nicht mit 10er Potenzen rechnen können. Deshalb hat es die diesen Phytowirkstoffen zugeschriebenen pharmakologischen Eigenschaften. Das Atropin ist anticholinerg und das Aconitin ist ein Antipyretikum und fiebersenkend, daraus ergibt sich die Wirkung, allerdings würde diese Zusammensetzung als synthetisches Pharmazeutikum heute keine Zulassung mehr bekommen, die Nebenwirkungen sind nicht ohne und entsprechen einer Rosskur. Die D8-Beigabe ist allerdings wahrhaft homöopathisch. Das ist auch gut so, denn das ist ein hochwirksames Gift und als D5 würde es einen grippalen Infekt zügig in Rigor Mortis verwandeln.

Grippostad C: Die Wirkstoffe errichten einerseits eine Wohlfühlkulisse indem sie einige Symptome zum Erlöschen bringen, das Fieber senken usw., allerdings bringen sie gleichzeitig die körpereigene Immunreaktion (deren Nebeneffekt Fieber usw. ist) zum Erliegen, die körpereigene Heilung wird ausgebremst und die Rekonvaleszenz wird verlängert. Die Kranktage werden mehr. Ich stelle in Frage, ob das für Leber, Magen/Darm und kardiovaskuläres System verschleißfrei vonstatten geht.

Gelomyrtol forte: Sekretlösend, schleimverdünnend, also prinzipiell siehe oben. Aber ... die aromatischen Öle erhöhen die Wassermenge im Schleim nicht über direkte entsprechende Stimulierung der Schleimdrüsen, sondern über einen äußeren Reiz. Das ist brachialer und belastender für die schleimbildenden Zellen. Als Kybernetiker halte ich das für den falschen Weg auf den Regelkreis Schleimbildung einzuwirken.

Echinacea: Verändert in der Prophylaxe die Rezeptionsflächen der Nasenschleimhäute in Bezug auf Membranelastizität, -feuchte und pH-Wert. Damit wird die Barriere für das Eindringen von Erregern besser in Form gebracht und die Anzahl der Erreger, die eindringen können, soweit gesenkt, dass sie für das Immunsystem beherrschbar sind. In vielen Fällen kommt es so nicht zur Infektion. Sind die Erreger allerdings schon durchgebrochen ... es nutzt auch nichts die Tür abzuschließen, wenn die Einbrecher bereits in der Küche sitzen.

Die körpereigenen Antikörper sind in der Lage mit allen Erregern fertig zu werden, wenn die Erregerzahl niedrig bleibt und/oder das Immunsystem fit ist. Schlüsselelement dazu ist ein ausreichender Wassergehalt des Körpers (trinken, isotonisch) und wenig zusätzliche Belastungen für das Immunsystem (Stress, Depressionen, Drogen, Feinstaub und und und). Echinacea oder ein Mundschutz sind auch hilfreich.

Auch wenn es sich blöd anhört, gesund bleiben ist der beste Schutz gegen Erkältungskrankheiten, grippale Infekte und Grippe.


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Das Bleigießen ist ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Es sollte Warnungen und Hilfen geben in Zeiten des Wandels. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester, um einen Blick aufs kommende Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind meist unbedenklichere und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleifiguren" - aus Gesundheitsgründen bestehen sie heute aus Zinnlegierungen
(deshalb, kein richtiges Blei verwenden, falls man noch Abfallstücke herumliegen hat - giftig!)hitzebeständiger Metall-Löffel,…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gemüsetopf mit Apfel und Berberitzen

Zutaten für 2 Personen: je 200 g Hokkaido-Kürbis, Kohlrabi, Pastinaken, Süßkartoffeln, Äpfel alles geputzt bzw. geschält und gewürfelt bis auf den Apfel, Saft von einer Zitrone, 1 El Bratöl Olive, 2 El Gänse- oder Entenschmalz (oder nur Olivenöl), 1 El Petersilie oder Speisechrysanthemen-Blätter, 1 El Bio-Berberitzen-Beeren,  je 1 Msp Macis-, Kumin-, Sumach- und Zimt-Pulver, 1/2 Tl Majoran, Salz, 1 El Schnittlauch-Röllchen zur Dekoration.
Den Ofen auf 90 bis 100 °C vorheizen, Keramikform anwärmen. Schmiedepfanne mit 1 El Olivenöl erhitzen. Das Gemüse kann man auch etappenweise vorbereiten während eine andere Sorte brät. Die einzelnen Gemüsesorten jeweils 4-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anbraten. Das aufeinanderfolgende Anbraten und anschließende Nachgaren im Backofen berücksichtigt die unterschiedlichen Garzeiten dieser Gemüsearten.
Zuerst die Kohlrabi-Würfel auf 2/3 Hitze anbraten, in die Warmhalteform geben und im Ofen nachgaren lassen. Hitze steigern und die Würfel vom Hok…