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The Dwarf Incident - #FREE_THA_ZWERG


Die Initiative #free_tha_zwerg hat mehrere Aspekte und Ebenen der Bedeutung. Manche Aktivisten stehen für alle Belange, andere haben nur konkret einen Teilaspekt im Sinn.

Zensur ist nur ein Aspekt, der offensichtlichste. Hat Google das Recht den Anspruch auf freie Meinungsäußerung, Kunstfreiheit und andere Grundrechte mit seinem Hausrecht als Betreiber und Veranstalter einzuschränken? Derartige Fragen bedürfen der gesamtgesellschaftlichen Diskussion und bei Monopolen wie Google auch der gesetzlichen und internationalen Regelung.

Das fängt damit an, dass Google nicht gleich den ganzen Account sperren sollte, weil irgendjemand die Inhalte für anstößig hält. Es gibt keine moralischen Instanzen, gab sie nie und das Crowd-Hive-Mind ist schon gar keine. Die kulturellen Level sind vielfältig und man muss sich gegenseitig mit Respekt behandeln und sich kommunikativ über unterschiedliche Ansichten austauschen, statt mit Ablehnung und ignoranter Stille zu reagieren. Gerade soziale Netzwerke sollten ein Ort der Begegnung in Vielfalt sein und nicht der Selbstbestätigung in Einfalt. Deshalb aknn man darüber diskutieren welche Inhalte zu sperren oder zu entfernen sind, aber niemals über die betreffenden User. 

Die User müssen akzeptieren, dass soziale Netzwerke offenen Begegnungsstätten mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten sind. Als ich das beanstandete Bild sah, dachte ich zuerst, dass ich mir mal wieder Bries braten könnte mit Preiselbeersauce. So unterschiedlich können die Ansichten und die Rezeption sein. 

Zu Toleranz und Akzeptanz gehört auch das unangenehme "Andere" zu akzeptieren und tolerieren.

Keiner zwingt einem dazu ein Profil oder dessen Beiträge zu konsumieren, man kann auch blockieren ohne den ganzen Account zu melden. Und wenn einem Postings oder Bilder nicht gefallen, kann man auch den jeweiligen Post oder das jeweilige Bild melden und nicht den kompletten Account bzw. User. Auch dafür soll diese Bewegung stehen, Technik verantwortungsvoll und bewusst einzusetzen, statt mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Denn hinter dem Profil steht ein Mensch und das Profil zu melden, heißt den Mensch zu melden. Das ist Blockwart-Mentalität und hat mit Zensur, Jugendschutz oder generell dem Schutz anderer vor Wahrnehmung nichts zu tun. Wir sind nicht der Sitten-, Moral- oder Geschmackshüter unseres Nächsten. Unsere Mitmenschen in den sozialen Fällen sind keine Vorschulkinder oder geistig Beeinträchtigte, die der Betreuung und Fürsorge bedürfen. Das ist Bevormundung der anderen Netzteilnehmer und ein Angriff auf die Würde des Menschen hinter dem Account.

Eine Initiative wie #free_tha_zwerg kann dagegen bewirken, dass sich der betreffende Mensch nicht mehr persönlich verletzt fühlt. Viele andere User, die nicht so gut vernetzt sind wie Zwergi haben mit einem Ausschluss auch psychisch zu kämpfen, empfinden es als persönliche Ablehnung und Ausgrenzung. Das ist, wie wenn man ohne Kommentar aus der Stammkneipe oder dem Sportverein geworfen wird. Für diesen Menschen ist es nicht nur ein Sack Reis am anderen Ende der Welt, es ist ein Stück seiner Lebenswelt.

Mit diesem Eingriff werden die automatischen Routinen hinter Googles Rechnerpanels zur moralischen Keule, die sich mit einem Klick schwingen lässt. Google wird instrumentalisierbar. Wohin das führen kann möchte ich gar nicht wissen. Denn breitflächig angewendet führt das dazu, dass es kein soziales Miteinander mehr im sozialen Netzwerk gibt, das Netz ist dann tot. Die User ziehen weiter. Wir werden zu digitalen Nomaden. Wenn wir es nicht schon lange sind und Google+ nur eine Oase auf Zeit.




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