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Bitcoin und der Untergang der Zivilisation


"Öffnet die Augen, seht den Zustand der Welt und agiert entsprechend. Verschließt Euch nicht der Erkenntnis." (Philipp von Bach)

In einer Diskussion zu den Vorgängen rund um die Cyber-Währung Bitcoin wurde die These aufgestellt, es gäbe durch die technische Begrenzung der Anzahl der Bitcoins keine Gefahr der Inflation.

Dieser Ansicht bin ich nicht. Die Menge ist zwar beschränkt, aber nicht die Möglichkeit der Stückelung. Damit steigt im Lauf der Zeit die Anzahl der kursierenden Partikel. Und wenn dann ein Punkt erreicht ist, an dem der technologische Aufwand zur Sicherstellung des Stückelung anfängt den Wert der einzelnen Bitcoin-Partikel nennenswert zu erreichen, dann kommt es zum Wertverfall der Partikel, Inflation.

Alle Formen von Geld und Zahlungsmitteln repräsentieren nur den virtuellen Wert, den man ihnen beimisst. Sie sind Maßstab des Vertrauens in den Tauschprozess und in den realen Wert für den sie stehen. Mit diesem Vertrauen steht und fällt der Wert, kommt es zu Inflation oder bleibt diese aus.

Auch so genannte stabile Werte in Form von Edelmetallen oder anderen physischen Äquivalenten haben bei genauerer Betrachtung nur virtuellen Wert, hängen auch diese vom Bedarf, der Nachfrage und damit dem subjektiven Wert ab, der ihnen beigemessen wird.

Gold ist dafür ein Beispiel. Es hat heute nur noch virtuellen Wert. Technologisch ist es inzwischen fast überflüssig, essen kann man es auch nicht, nur noch traditionelle Anwendungen als Schmuck oder als rituelles und symbolisches Hortungsgut spielen eine Rolle. Der Wert des Goldes beruht nur auf einer subjektiven Übereinkunft ihm diesen Wert zuzumessen. Man sieht das schon daran, dass der Wert nicht aus realem Marktgeschehen entsteht, sondern an Börsen ermittelt wird, an den man den Wert durch subjektive Mutmaßung der Zukunft ermittelt, nicht durch sachliche Betrachtung der Gegenwart.

Auch kulturelle Güter, wie Musik, Literatur und Malerei, sind in diesem System nicht von ewigem Bestand und stark genauso stark abhängig von der symbolischen Bewertung durch die jeweils zeitgenössische Gesellschaft.

Es wird Zeit, dass diese Gesellschaft sich bewusst macht, dass der zentrale Reichtum mit bleibendem Wert in nicht körperlich vorhandenen Aspekten der Gesellschaft besteht. Dazu zählen, die Fähigkeit Bildung zu vermitteln und Kompetenzen zu kumulieren, zivilisatorische Eigenschaften zu erkennen und zu assimilieren, und vieles mehr. Daraus entsteht erst, was in Geld bemessen werden kann, was körperliche Präsenz annehmen kann und für beschränkte Zeit fortbesteht. Erlöschen jedoch diese Fähigkeiten der Gesellschaft, ihr eigentlicher Wert, dann zerfällt alles andere und hat keine Bedeutung mehr. 

Es ist diese Fähigkeit, die uns reich macht, die vorhandenes weiterentwickelt, neues schafft und dabei nur in der Gemeinschaft entstehen und bestehen kann, im Zusammenspiel der Kenntnisse und Möglichkeiten. Dieses Netzwerk aus Kompetenzen, Infrastruktur und Werkzeugen gilt es zu pflegen, zu entwickeln und vielfältiger zu machen. Dass deshalb auch alle einen ausgewogenen Anteil am Auskommen haben müssen und es nicht eine einseitige Verteilung der Ergebnisse geben darf, in der die Proportion zwischen Beteiligung am Prozess und an dem entstandenen Mehrwert nicht gewahrt ist. Auch kann der Umstand, dass dieses zivilisatorische Netzwerk inzwischen den ganzen Planeten umfasst, nicht ignoriert werden und weiterhin kleinzellige organisatorische Einheiten wie EU, USA, RF oder VRC und ihre lokalen Währungen wie Euro, Dollar oder Renminbi beibehalten werden. Wir brauchen den zügigen Übergang zum Weltstaat mit einheitlicher Währung, Sozialgesetzgebung und Steuersätzen. Daraus ergibt sich dann die Obsoleszenz des Militärs und stattdessen die Selbstverständlichkeit eines gemeinschaftlichen Katastrophenschutzes und der gemeinsame Bewältigung natürlicher Lasten, die uns dieser Planet aufzwingt.

Wenn man sieht, wie dieser bereits existierende "Körper" der Weltgesellschaft zuckt, wenn Borderline-Politiker ihn zu verstümmeln beginnen (Krim, Ukraine, Syrien, Pakistan), wenn sie seine Adern abschnüren (Einschränkung der Bildung für Frauen), wenn das "Hirn" vernebelt wird (Abkehr von Wissenschaft und Aufklärung), dann schmerzt das, dann möchte man helfen, dann erhebt man seine Stimme, handelt und fängt an vor der eigenen Tür zu kehren. In der Hoffnung, dass irgendwann alle mitmachen und das Mittelalter endlich endet, die Neuzeit beginnt, Isolationismus und reaktionäre Renaissance ein Ende finden.


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