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Wachstumseffekte bei TTIP



Politiker, EU-Kommissare, Verbände und Parteien verbreiten Zahlen über den Sinn und die Bedeutung von TTIP und Freihandelsabkommen, die horrende Zuwächse bei den Arbeitsplätzen in Aussicht stellen. Dem gegenüber stehen die Studien, die von der EU selbst, der Bundesregierung und freien Verbänden und Stiftungen in Auftrag gegeben wurden.

Es seien hier nur zwei davon herausgegriffen, die von seriösen und anerkannten Institutionen in Deutschland stammen und über den Verdacht erhaben sind im Dienst von Globalisierungsgegnern und antiamerikanischer Interessengruppen zu stehen, das Ifo-Institut und die Bertelsmann-Stiftung.

Es zeigt sich dabei, dass die Ergebnisse sich ähneln, nur einen marginalen Zuwachs prognostizieren und damit keine Grundlage sind für die überschwänglichen Lobpreisungen der umstrittenen Freihandelsabkommen.

Beschäftigungseffekte


Bertelsmann Studie Ifo Studie
Felbermayr, G. et al. (2013):
Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP)
Wem nutzt ein transatlantisches Freihandelsabkommen?
Teil 1: Makroökonomische Effekte Teil 1
Tabelle 11, S.41
Berechnung der Erwerbstätigenzahlen
basierend auf dem Anteil des Non-EU-Exports
an den Gesamtzahlen des GDP und
an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen
Felbermayr, G. et al. (2013):
Dimensionen und Auswirkungen eines Freihandelsabkommens
zwischen der EU und den USA
(ifo Institut im Auftrag des BM für Wirtschaft und Technologie)
Tabelle III.13, S.100
Gesamteffekte innerhalb 15 Jahre nach Abschluss TTIP
Anstieg der
Beschäftigung
in % Prozentpunkte
zusätzliches Ø
Wachstum pro Jahr
in % Prozentpunkte
Anstieg der
Beschäftigung
in Erwerbstätigen
zusätzliches Ø
Wachstum pro Jahr
in Erwerbstätigen
Anstieg der
Beschäftigung
in Erwerbstätigen
zusätzliches Ø
Wachstum pro Jahr
in Erwerbstätigen
OECD 0,50 0,04
EU27 124130 8866
USA 0,78 0,06 9.126 608 68790 4914
DE 0,47 0,03 29.850 1.990 25220 1801
Für die Berechnung der Erwerbstätigenzahlen wurden für Deutschland 41 Millionen Erwerbstätige in der Gesamtwirtschaft angesetzt, dazu ein Non-EU-Exportanteil von 15,8% am GDP und ein Anteil der kompletten Exporte von 28,5% am GDP. Daraus resultieren dann die 1990 zusätzlichen Beschäftigten pro Jahr.

In den USA haben die Exporte einen Anteil von 9.8% an der Gesamtwirtschaftsleistung, davon gehen 10.1% in die EU. Die absolute Zahl deckt sich mit dem Anteil der USA an den Importen in die EU27. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen liegt bei 130 Millionen, daraus resultieren 9126 zusätzliche Arbeitsplätze in 15 Jahren. Nur rund ein Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung entfällt auf den Handel mit der EU27. 

Der Eindruck entsteht inzwischen, dass viele Politiker einer Fehlinterpretation der Zahlen aufgesessen sind, die 15-Jahres-Kumulation als jährliche Wachstumsrate betrachtet haben und als Grundlage die Gesamtbeschäftigten und nicht nur die vom USA-EU-Handel abhängigen Arbeitsplätze herangezogen wurden.

Zieht man noch die Trends heran, die für die nächsten drei Jahrzehnte eine stärkere Bedeutung der Wirtschaftsräume der BRICS-Staaten und der Schwellenländer in Aussicht stellen, muss man eher von einer Stagnation des Anteils des USA-EU27-Wirtschaftsaustausches ausgehen. 

Mit Kenntnis dieser Zahlen kann man nur einen Bereich erkennen, in dem sich die Libertarisierung des Handels nennenswert auswirken würde, allerdings ohne jeden Effekt auf die Beschäftigten - die Finanzindustrie. Der Handel mit Aktien, Zertifikaten, Derivaten und BOEs wird nicht nur wesentlich erleichtert, er wird mit TTIP für die Zukunft vor der Einführung von Transaktionssteuern und Tobinsteuern abgesichert. Eine Anpassung der Fiskalsysteme an die Globalisierung wird damit blockiert. 

Ist das die tatsächliche Zielrichtung des ganzen Aufwands?



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