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Die Geldkarte stirbt ein leisen Tod


In Deutschland gab es auf allen Bankkarten mit Chip die optionale Funktion, den Chip mit einem Guthaben zu laden und an Terminals dieses "Geldkarten"-System zu zahlen. Da die Zahlung anonym erfolgen kann, hätte dieses System der Anfang vom Abschied aus der Bargeld-Verwendung sein können.

Die genossenschaftlichen Banken sind nun die ersten, die in den nächsten beiden Jahren komplett aus dem System aussteigen. Das bedeutet, dass Bankkarten, Girokarten und andere Chipkarten der Genossenschaftsbanken, die ab 1. Januar 2015 ausgegeben werden, keine Geldkartenfunktion mehr erhalten und zwei Jahre später, nachdem die letzten Karten mit dieser Funktion abgelaufen sind, keine Ladefunktion an den ATMs mehr angeboten wird. Aber gerade diese Banken unterhalten das größte ATM-Netz und statten die meisten Einzelhändler aus. 

Unklar ist derzeit ob das ein Zeichen dafür ist, dass man den kommenden Smartphone-Zahlsystemen wie Google Wallet, Apple Pay und anderen NFC-Systemen Platz macht, oder ob diese unter der gleichen Ignoranz des deutschen Handels leiden werden und damit scheitern.



Die Geldkarte war zwar als Funktion auf fast allen Bankkarten vorhanden, aber ihre Verwendung konzentrierte sich auf Automaten, Parkschein-Terminals und Fahrkarten-Automaten. In wenigen eng begrenzten Regionen waren sie im Lebensmitteleinzelhandel, Bäckereien und Metzgereien verbreitet. Die Akzeptanz wurde nicht gefördert, Umbuchungsterminals um anonym von Privat an Privat umzubuchen oder WhiteCards zu verwenden wurde nie propagiert und nur versteckt angeboten. Derzeit erhält man für rund 14€ die WhiteCards nur im gut versteckten Shop der Geldkarten-Arbeitsgemeinschaft und braucht in der Regel auch noch ein eigenes Kartenterminal, das zwischen 60 und 80 € kostet. Die Software ist für MacOS, Win und Linux verfügbar. Das Laden von WhiteCards an öffentlichen Terminals ist nur an sehr wenigen ATMs möglich, wahrscheinlich findet man auch eher ein Einhorn als eine Umbuchungsstelle in einer Bankfiliale.

Im deutschen Handel gilt immer noch "Nur Bares, ist Wahres!" - ein Sinnspruch aus dem vorvorigen Jahrhundert der Pferdedroschken und Fleischhauereien.

Und das ist schade, der Abschied von Bargeld und der Umstieg auf anonyme Umbuchungsterminals, weiße Karten ohne Bankbindung und eine flächendeckende Akzeptanz wäre ein Fortschrott gewesen. Durch die beschränkte Geldbeträge wären trotzdem private Transaktionen anonym geblieben und nur größere Beträge hätten der Registrierung bedurft. Wen hätte das benachteiligt? Doch nur Schwarzarbeiter, Steuerbetrüger, Geldfälscher und ähnliche Kriminelle.

Auch hier zeichnet sie eine Konkurrenz vielfältiger Normen, generischer Systeme und technischer Prinzipien ab, die in der Konsequenz alle Systeme am Durchbruch hindern wird und dem traditionellen Bargeld den Bestand sichert. Hier wäre staatliches Handeln gefragt um auf europäischer Ebene einer Technik zum Durchbruch zu verhelfen und so den Weg weg vom Bargeld zu beschleunigen.


Linkhinweis: Arbeitsgemeinschaft Geldkarte



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