Eliten - Garant von Aufstieg oder Untergang?


Die Welt teilt sich schon lange nicht mehr in Ost und West, auch nicht in Süd und Nord, und auch nicht in Reich und Arm - sie teilt sich in Idioten, die mit Zukunftsangst in den Kategorien von Gestern leben und solchen, die noch an die Vernunft glauben und an den permanenten Wandel, deshalb auch keine Furcht vor der Zukunft haben, sondern sie als spannende Aufgabe und Chance empfinden und erleben.

Und jetzt eine Aufgabe für die Leser dieses Blogs: Nimm ein DIN A4 Blatt, ziehe eine senkrechte Linie in die Mitte, und jetzt teile Spitzenpolitiker, Firmenchefs und weitere Angehörige der so genannten Elite nach diesen beiden Gruppen auf, versuche in jede der Spalten mindestens die 20 prominentesten Köpfe aufzulisten. Und dann versuch ein Muster zu erkennen. Soziale Herkunft. Bildung. 

Meine tiefste Überzeugung ist es, dass die Ursachen im Schul- und Bildungswesen zu suchen sind. Und in der Intellektualität des Elternhauses.

Da wird den Kindern auf der einen Seite von klein auf vermittelt:
  1. Nur der Erfolg zählt.
  2. Es ist egal wie du es schaffst, Hauptsache du schaffst es.
  3. Lass dich beim Schummeln nicht erwischen.
  4. Nachbeten und Aufsagen ist besser als eigenen Gedanken zu haben.
  5. Mach deinem Vorgesetzten (Lehrer) das Leben leicht und du bist angesehen auch wenn du ein Nichtskönnern bist.
  6. Erfolg bemisst sich an der Menge Geld auf deinem Konto, nicht an der Höhe der Steuern die du zahlst.
  7. Geh auf Nummer sicher, vermeide Verantwortung oder sorge zumindest dafür, dass sie dir nicht zugeordnet werden kann.
  8. Sozialkompetenz ist für Pussies.
  9. Veränderungen sind eine Gefahr, wir machen alles so wie wir es schon immer gemacht haben.
  10. Das macht man nicht! Das sagt man nicht! Das denkt man nicht einmal!
Wie kann man erwarten, dass in diesem entintellektualisierten Nest eine aufgeklärte und zukunftsfrohe Menschheit aufwächst, die in Solidarität den optimalsten Weg sieht, die sich aus Fakten eigene Schlüsse zieht und gemeinsam eine Gesellschaft entwickelt, die allen mehr bringt. Kurz gesagt, Menschen mit geistigen Flügeln, die sich lebensfroh in die Zukunft aufmachen.

Diese Kinder lernen sich ein möglichst großes Stück aus dem Kuchen zu schneiden, statt größere Kuchen zu backen.



Und manche schicken ihre Kinder auf Privatschulen, die damit werben diesen Unsinn besonders extrem zu vermitteln. Brutstätten der Destruktion, die den Kindern beibringen, dass man mit dem Kuchen auch noch in der Gegend herumwerfen kann - Hauptsache man selbst behält ein großes Stück über. Kriegsgewinnler.

Das ist keine konstruktive Elite, die zur Prosperität beiträgt und eine Zukunft schafft, auf die sich alle freuen können.


Und damit einhergeht auch noch ein anderer Aspekt fehlgeleiteter Bildung. Wir haben einen Mangel an Fachkräften. Aber anders als es Politik und Ämter denken oder die Presse schreibt. Wir haben einen Mangel von Menschen, die ihren Beruf in ganzer Tiefe ausfüllen und ihn leben können. Für die er Profession und nicht nur Job ist. Beruf im Sinne von Berufung. Die Tätigkeit als Aspekt der Persönlichkeit und des individuellen Lebens.

Die meisten kratzen nur an der Hülle dessen was ein Beruf sein kann. Einmal, weil die Vermittlung von Wissen und Kompetenz in den meisten Berufen nicht mehr von Generation zu Generation erfolgt, sondern nach schematisierten Abläufen, theoretisiert, standardisiert, oberflächlich. Zahlloses Erfahrungswissen ist schon verloren gegangen und laufend geht weiteres empirisch erworbenes und nur individuell vorhandenes Wissen unter. Übrig bleibt nur normiertes Wissen, in Bücher gepresst, in Arbeitsmappen zerlegt.

Die Berufsausbildung wird akademisiert, die akademische Ausbildung an der Berufstauglichkeit orientiert. Vorrang haben die Berufsbilder und -anforderungen der Großindustrie, der genormte Arbeitnehmer, passend für die Arbeitsplatzbeschreibung aus dem "Lose-Blatt-Sammelwerk für die Human-Resources-Abteilung", mit seiner Austauschbarkeit und Beliebigkeit. Fällt der eine aus oder ist nicht mehr genehm, wird der nächste auf den Platz gesetzt, ohne Bruch im Ablauf, ohne merkliche Auswirkung auf den Betriebsablauf. Scheinbar. Der Mensch verwandelt sich in einen Rohstoff, Material, in ein Stück der großen Maschine, ein Zahnrad im Getriebe der Wirtschaft, wenn es klemmt und warten oder schmieren nicht hilft, dann kommt ein neues.

Damit vermeidet dieses System es die speziellen Besonderheiten des Einzelnen als Stärke, als Chance, als Mehr und Quelle des Besseren zu sehen. Abweichungen von Norm und Konvention werden als Nachteil gesehen. Statt die Möglichkeiten jedes Menschen bis in die Tiefe seines Selbst auszuloten, die individuelle Quelle des Außergewöhnlichen anzuzapfen, wird der Mensch in eine Form gepresst. In soundsoviel Seiten Berufsbildbeschreibung, Lehrplan und Prüfungsordnung. Oder in 123 oder 64 oder wie auch immer, es ist eine Verformung und eine Beschädigung des Potentials.

Lehrer sollten Schatzgräber sein, auf der Suche nach den Besonderheiten ihrer Schüler, nach den vorhandenen Möglichkeiten, nach dem tiefen See des Interesses, der das Mühlrad der Motivation über Jahre mit seinem Wasser dreht und so einen Berg des Könnens und Wissens errichten kann. Werden stattdessen Dämme errichtet, das Wasser zu einem Rinnsal reduziert, fehlt dem Jugendlichen dieses Feuer, diese Kraft aus der Größe erwächst.

Dabei hat jedes Kind diesen Strom an Kraft in sich, könnte einen der hunderttausend Berufe finden, der seine Stärken in den Himmel wachsen lässt, seine Profession, seine Leidenschaft entfacht und damit auch den Weg in ein erfülltes Leben.

Und was hätten wir alle davon? Eine Welt näher am der Vollkommenheit, in der die Werke mit mehr Können, mehr Perfektion und mehr Leidenschaft entstehen. In der die Menschen für sich arbeiten, für ihre eigene Erfüllung und andere daran teilhaben lassen und damit eine Wirtschaft der Nachhaltigkeit, des qualitativen Wachstums, ein des Mehr aus Weniger enstehen lassen. Eine Wirtschaft jenseits der Grenzen quantitativen Wachstums. In einer Welt in der das Geld ein kleines Zahnrädchen ist, die Maschinen ein Mittel zum Zweck, Werkzeug des Menschen und nicht bestimmende Kraft der Abläufe. 

Mit einer Gesellschaft auf diesen Grundprinzipien würden Techniken wie 3D-Printing, 3D-Scan und daraus abgeleitete und mögliche Herstellungsverfahren und Dienstleistungen nicht mehr Gefahr, sondern Chance sein.


Wer sich YouTube und seine Auswirkung auf Musik, Film und visuelle Medien ansieht, sollte ahnen welche Änderungen in anderen Branchen noch anstehen und kommen werden. Und darauf sind weder die etablierten Eliten vorbereitet, noch die Jugend, die zukünftig Politik, Wirtschaft und andere Aspekte der Gesellschaft organisieren und planen soll.

Wir stehen erst am Anfang eines postindustriellen Jahrtausends in dem die Globalisierung nur eine Transitphase ist, wie die Epoche der Dampfkraft vor der Einführung der Elektrizität und des Automobils.


Die Zukunft hat schon begonnen. Nur die Eliten von heute sind dabei sie zu verpassen und mit ihrer Rückwärtsgewandheit mögliche Entwicklungen mit Angst und Vorbehalten zu besetzen, statt sie aktiv zu gestalten und die Veränderungen zu beschleunigen. Nicht das Prinzip der Elite ist gescheitert, sondern die alte Elite an der Aufgabe die neue Elite zeitgemäß heranzubilden. Und Kulturschaffende und intellektuelle Kreise haben sich vom Eliteprinzip abgewandt, damit auch keine Impulse mehr geliefert, damit sich eine Ersatzelite bilden konnte, die den Anforderungen des Wandels gerecht wird und die scheiternde alte Elite ersetzen könnte.

Es gibt keine Revolution, weil es niemand gibt, der sie führen würde, niemand der danach die Zielvorgaben formulieren würde oder auch nur den großen Moderator oder Koordinator geben könnte. Damit ist die Zukunft ohne Stimme, ohne Kopf.

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