Advent, Christfest? Winter Solstice, Weihnachten, Rauhnächte!

Happy Chanukka?

Zur Zeit wird vielerorts das Gerücht verbreitet, das Weihnachtsfest solle in Winterfest umbenannt werden. Diese urbane Legende ruft dann Empörung und Gegenwehr hervor. Doppelt dumm nur, dass erstens fast niemand diese Absicht hat und zweitens der Begriff Weihnachten bereits den religiösen Begriff Christfest nicht nur ersetzt hat, sondern viel ältere Wurzeln hat.  

Das ganze Brauchtum rund um die Weihnachtstage hat vielerlei historische Wurzeln und Traditionen als Vorlage:
  • Mōdraniht - die Nacht der Mütter, ein Fest der Fruchtbarkeit nach der Wintersonnenwende, das die Teutonen und Goten feierten. Das Fest war Anlass für Chorgesänge, süße Fruchtbrote (Stollengebäck) und einen arbeitsfreien Tag für alle, auch für die Leibeigenen.
     
  • Jéola - das Julefest, bei dem alle um eine gemeinsames Feuer saßen und ein Schinken gegrillt wurde. Ein Fest mit dem die Ankunft gefeiert wurde. In den Rauhnächten kommt die Wilde Jagd (Åsgårdsrei) aus der Anderswelt der keltischen Götter in die unsere und sorgt für Furcht und Schrecken. Der ursprünglich "Juli" genannte Monat überschneidet sich mit den heutigen Monaten Dezember und Januar.
  • Ilex Gebinde - Christdorn Dekorationen (Adventskränze und -gestecke) gehen auf die keltischen und piktischen Druiden zurück, die damit den Sieg des Menschen über die Gefahren der Natur, das Gift des Ilex, symbolisierten. Sie trugen derartige Kränze auf dem Kopf.
     
  • Kuss unterm Mistelzweig - ein Bestandteil der keltischen Druidenmythologie. Die Mistel als allesheilende, göttliche Pflanze wurde in speziellen Ritualen geerntet und zu einem Heiltrank verarbeitet. Dieser Heiultrank wurde den Kranken vom Druiden mit dem Mund verabreicht, woraus sich der glückbringende Kuss entwickelte. Es ist die alte Heil und Segen spendende Geste der Druide, die hier fortlebt.
  • Weihnachtsbaum - die Dekoration der Wohnung mit Nadelbaum-Zweigen und -Bäumen ist schon in der Antike nachweisbar, als im Norden des Römischen Reiches statt der Lorbeerbäume und -zweige die Tannen und Fichten herhalten mussten. Diese sollten geschmückt mit Bannsymbolen Unheil, böse Geister und Dämonen fernhalten. Erklärbar wird es dadurch, dass der Duft dieser Pflanzen die damals üblichen üblen Gerüche überdeckten, damit waren auch die mit Gestank verbundenen bösen Geister gebannt. Für die Römerzeit ist das Dekorieren mit Äpfeln an bunten Bändern nachweisbar und für den Mithras-Kult das Schmücken eines ganzen Baumes um den Schutz des Gottes anzurufen.
  • Klausen- oder Krampustreiben und Läufe - ein Brauch, der die paganistische Verehrung der Wilden Jagd symbolisiert und über 3000 Jahre alt ist.
     
  • Nikolaus, Samichlaus, Sinterklaas - der Gabenbringer eine Vermischung alter Traditionen der Rauhnächte-Zeit und der Pan-Verehrung, wobei Pan den strafenden Part (Knecht Rupprecht, Zwarte Piet) übernimmt und der Führer der Wilden Jagd (Odin) der schenkende Gott ist, der aber auch so manchen Übeltäter in den Rauhnächten verschwinden lies, indem er sie in die Wild Jagd aufnahm und sie dort zur Busse mitreiten mussten. Die Figur des Geschenkebringers übernimmt auch die Erscheinung Odins, mit weißem Bart, großer und gutgenährter Leibesfülle und dem fliegenden vielhufigen Reittier (Sleipnir).
  • Luciafest - ein Tag, der der Göttin Frigg geweiht ist, die auch als Perchta oder Frau Holle bekannt ist. Die Gebrüder Grimm beschreiben in ihrer Legende von der Frau Holle einen Besuch in der Anderswelt (orbis alius) der keltischen Götter, bei dem die Heldin auf die Göttin des Sommers und des Winters trifft.
  • Weihnachtsfest - die dem Mithras geweihte Nacht der Wiedergeburt der Sonne am 25. Dezember nach dem alten Julianischen Kalender. Sie wurde ähnlich wie Mōdraniht und Jéola gefeiert.

Sol Invictus - Der Sonnengott besiegt den Winter und die Kälte und bringt
 die längeren Tage der Fruchtbarkeit als Geschenk zu dem Menschen.
Der Wagen fliegt selbstverständlich durch die Lüfte.


Die Christianisierung hat mit vielen dieser traditionellen Feste und Brauchtümern ein übles Spiel getrieben. Statt die alten als paganistisch denunzierten Rituale zu verbieten, hat man sie assimiliert, neu konnotiert und ihnen eine christliche Bedeutung zugeordnet. Einzig die Krippe ist ein originär christliches Brauchtum. Oder ist die auch geklaut? Nun ja, eine gewisse Ähnlichkeit mit römischen Hausaltären, die oft in Dioramen die Wundertaten der Götter präsentierten, ist schon gegeben.

Wenn jetzt Adventszeit ist, denke voller Vorfreude an die nahende Wilde Jagd, schmücke dein Haus gegen böse Geister (und Gerüche) mit einem Tannenbaum, feiere Weihnachten als Fest des Sieges des Sonnengottes über den Winter, der die längeren Tage bringt und die Menschen beschenkt. 

Und wenn die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse stimmen, dann ist auch der Kuss unterm Mistelzweig eine heilende und Glück spendende Angelegenheit, wird dabei doch durch Austausch des Mikrobioms im Mund das Immunsystem gestärkt. 

Deshalb, pflegt das viele Jahrzehntausende alte Brauchtum Europas rund ums Weihnachtsfest, das heißen mag wie es will, es zelebriert die Wintersonnenwende und die Rauhnächte, wenn die Grenze zur Anderwelt durchlässig wird.


Quelle für alle Informationen ist die deutsche, norwegische und englische Ausgabe der Wikipedia.





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