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Kafkakratie


Divide et impera? Bekommt das alte Herrschaftsprinzip neue Attraktivität, obwohl es derart durchschaubar und altbacken ist, dass niemand mehr darauf hereinfallen sollte? Oder ist es so banal und vorgestrig, dass es aus dem politischen Bewusstsein der Gesellschaft verschwunden ist und keine Beachtung mehr findet?

Wie sieht das Teilen und Herrschen anno 2014 aus?

Man bringt den politisch aktiven Teil der Bevölkerung dazu, die ihm nächstliegende randständigste Meinung zum eigenen Hauptthema zu machen, sich derart in kleinen (oder größeren) Grüppchen zu isolieren. So zerlegt man die Gesamtgesellschaft in lauter kleine ideologische Inseln und Soziotope, voller Aktiver, die durch den beschränkten Zuspruch gut kontrollierbar oder notfalls isolierbar sind.

Dann wird im Schatten dieser zersplitterten Demokratie eine Oligokratie errichtet. Nicht die irgendeiner Personengruppe als Timokratie, sondern als anonymes Systems aus Ministerialbürokratie, Holding-und Fondsverwaltungen. Nicht an Personen ausgerichtet, sondern auf Funktionseinheiten der Verwaltung und Finanzindustrie. Kein Kaiser oder König, Diktator oder Präsident herrscht, sondern der graue nicht identifizierbare Apparat, wie man ihn aus Kafka's Process oder Tati's Filmen kennt. 

Dieses System bildet auch keine Synarchie, sondern ist ein sich selbst erhaltender und betreibender virtueller Apparat, der sich aus der Idee seiner selbst speist. Ein lebendig gewordenes politisches Klischee, das gleich einem Computervirus das gesellschaftliche Gedächtnis und Bewusstsein befällt.

Der Österreicher Andreas Unterberger hat dafür einmal den Begriff Kafkakratie geprägt, diese aber noch an Personen festgemacht und das ist mehr Neopatrimonialismus oder Kleptokratie. Die Realität findet sich eher in Monty Python's Ministry of Silly Walks. 

Absurd, surreal und deshalb fälschlicherweise nicht als Bedrohung verstanden.

Bis es zu spät ist.


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