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PEGIDA - falsche Patrioten, schlechte Deutsche


In Dresden gibt es eine wachsende Bewegung von Menschen, die sich unter dem Thema der Ängste vor kultureller Überfremdung zusammenfinden und sich als Patrioten bezeichnen. Es sind dies die Demonstrationsaktivisten unter dem Namen PEGIDA - Patriotische Europäer gegen die Islamisierung. 

Da stutzt der Betrachter und wundert sich, sind doch in Dresden und ganz Sachsen nur wenige Muslime, die kulturell kaum in Erscheinung treten und deshalb eine Islamisierung genauso wahrscheinlich ist, wie ein Übergreifen von Emocore auf die Gesamtgesellschaft. Nebenbei wird akzeptiert, dass ständig Elemente der US-amerikanischen Kultur (Drogen, TeaParty) und der japanischen Kultur (Sushi, Manga) in den Mainstream einsickern. Die Empörung über eine marginale Fremdkultur überlagert die konkrete Einflussnahme wesentlich relevanterer Fremdkulturen. 

Dieser Teil der Vorgänge in Dresden ist aber noch der kuriosere und harmlosere, ein anderer Teil ist bedenklicher und fügt dem Ansehen und der Leitkultur Deutschlands Schaden zu. Es ist der Anspruch dieser Bewegung, dass es sich um Patrioten respektive Patriotismus handeln würde.

Im Mai habe ich bereits in meinem Patriotischen Manifest darauf hingewiesen, dass Patriotismus einem Wandel unterworfen ist und sich wie alle Aspekte des menschlichen Lebens mit der Zeit wandelt. Unsere Lebenswelt ist nicht mehr die der Eisenzeit und auch nicht die der Weimarer Republik. Wir sind Teil einer globalen Lebens- und Arbeitswelt und nirgends wird dies deutlicher als in den Sozialen Netzen und der Blogosphäre.

In Dresden werden Grundprinzipien und -ansprüche des Patriotismus verletzt. Denn Patriotismus endet dort, wo er sich nicht mehr mit der Ehre des eigenen Patrias beschäftigt, sondern mit anderen Themen. Dann dient er als falsches Etikett auf dubiosen Inhalten. Und deshalb ist PEGIDA schon im Ansatz und dem Selbstbekenntnis unpatriotisch, weil es sich nicht mit der Ehre des Vaterlands beschäftigt, sondern mit Islamisierung, Fremden und deren Kultur. 


Patriotismus ist introspektiv, er betrachtet die Größe und die Werke des eigenen Landes. Es ist das Zufriedenheitsgefühl einer Nation, wenn sie alles richtig macht. Er ist keine Quelle von Argumenten und Handlungen gegen Fremde oder das Ausland. Er ist das Wirken die Weltmeisterschaft im Fußball zu gewinnen, als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Leistung in Vereinen, Ligen und allen anderen Beteiligten. Er ist Deutschland durch Goethe-Institute im Ausland zu repräsentieren, deutsche Kultur und Lebensart in transeuropäischen Fernsehkanälen wie Arte präsent zu machen. Er ist der Anspruch der Welt Nobelpreisträger als Ergebnis unserer Bildung, unserer Universitäten und unserer Wissensgesellschaft zu machen.

Ein wahrer Patriot ehrt die Traditionen und Werte des eigenen Landes. Bereitet diesen keine Schande. Er verteidigt ihren Wert nicht indem er andere Traditionen angreift und herabwürdigt.

PEGIDA ist dagegen eine Schande am Deutschen Wesen. Weil es die Intelligenz der Menschen beleidigt, weil es aus einer ärgerlichen kulturellen Konfrontation in sozialen Randschichten und der zu langsamen Laizisierung unseres Landes eine dräuende Gefahr einer kulturellen und religiösen Oktroyierung durch eine weitere fremde Kultur formuliert. Die deutsche Kultur ist erfolgreich darin säkularer und laizistischer zu werden, da stellen Religionen aller Art keine Bedrohung dar. 

Über Jahrhunderte hat dieser zentrale Raum in Westeuropa sich durch Zuwanderung und kulturelle Vermischung zu dem geformt was er heute ist, eines der erfolgreichsten wirtschaftlichen Gebilde, eine Quelle der Kultur. Durch vielerlei Einflüsse hat er zur heute existierenden deutschen Sprache gefunden, die ständig Worte aus fremden Kulturen aufnimmt und sich zu eigen macht. Manchmal mit komplett neuer Bedeutung, einfach aus Verliebtheit in den Wortklang, wie beim englischen Leichensack (body bag) oder Griffigen (handy).  Nicht indem marginale Migrationskultur dämonisiert wurde, sondern indem sie assimiliert wurde, indem ihre Vorzüge und interessante neue Aspekte übernommen wurden ohne das vorhergehende preis- oder aufzugeben. 

Das ist Patriotismus, in Stärke und mit Selbstbewusstsein das Neue zu umarmen und es aufzunehmen. Das eigene Land, das Patria stark zu machen, stark durch Erweiterung, durch Hinzufügen neuer Stärken. Die muslimische Kultur ist deshalb keine Gefahr, sondern eine Chance, eine Quelle aus der es zu Schöpfen gilt. Zum Nutzen unseres Landes. In Stärke. Mit Stolz. Wie es die Tradition gebietet.

Und bei der muslimischen Kultur wird es mehr als der Döner und Baklava sein. Und es wird wenig von der Religion namens Islam sein, die nur ein Teil dieser Kultur ist, die die Migranten und Flüchtlinge mitbringen. Religion beginnt irrelevant zu werden, als Gesellschaft wachsen wir über diese Hilfsideologie der Vergangenheit hinaus und sind gebildet und zivilisiert genug um den Sinn und Nutzen von Moral und Ethik auch ohne die Drohung einer Hölle oder höherer Mächte zu erkennen. Dagegen hat die muslimische Kultur vielfältige Aspekte, die nichts mit dem Islam oder der Scharia zu tun haben. Genauso wie die europäische Kultur kaum noch christliche Aspekte hat, die mit dem Malleus Maleficarum oder der Inquisition zu tun haben.

Wer da statt Neugier und Pioniergeist Ängste formuliert, der zeigt Schwäche, hält die eigene Kultur für schwach und unterlegen. So verteidigt man die eigene Kultur nicht, so hält man sie tief, nicht hoch. 

Das ist nicht patriotisch, das ist erbärmlich, peinlich und eine Schande.



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