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Fischgeruch - Bakterielle Vaginose ist keine Nebensächlichkeit


Nach Schätzungen der medizinischen Wissenschaft leiden in Deutschland zwischen 8 und 15% der Frauen an einer bakteriellen Vaginose, auch als Aminvaginose bekannt und früher als Aminkolpitis bezeichnet. Nach der Scheidenpilzinfektion ist es die häufigste Erkrankung im Intimbereich der Frau. Typisch für die Erkrankung ist der fischige Geruch, der bei ansteigendem Eiweiß-Pegel in der Vagina schnell und stark zunehmen kann.

Ursache für die Erkrankung ist eine Störung im Mikrobiom der Vagina. Durch Ernährungsprobleme, Antibiotika-Behandlungen oder andere Einflüsse kommt es zu einem Rückgang der natürlich vorhandenen Milchsäure-Bakterien. In der Folge können sich andere Bakterien stärker ausbreiten, das Milieu der Vagina wird basisch und stabilisiert so die Erkrankung. Die unerwünschten Bakterien bauen Proteine und Aminosäuren in der Vaginalflüssigkeit ab und erzeugen dabei Amine, insbesondere Ammoniak, Methyl-, Ethyl- und Trimethylamin. Daher kommt die Bezeichnung der Krankheit als Aminvaginose. Diese Amine haben einen typischen Geruch nach altem Fisch. Steigt der Eiweißgehalt des Scheidensekrets nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr oder während der Monatsblutung, so kommt es zu einem drastischen Anwachsen des Bakteriums und einem entsprechenden Anstieg der Geruchsbildung. Das hauptsächlich verantwortliche Bakterium ist dabei Gardnerella vaginalis. Alter Fisch entwickelt seinen Geruch aus dem gleichen Grund, Bakterien zersetzen immer mehr des Fischeiweißes zu Aminen und vermehren sich dabei, der Fisch verdirbt. Der Vorgang in der Vagina ist identisch.

Da diese Erkrankung anfänglich zu keinen merkbaren Organschäden führt, keine Haut- oder Körperveränderungen mit sich bringt, wird sie von vielen als wenig gefährlich und nebensächlich betrachtet. Allzu leicht wird vergessen, dass diese Erkrankung mit erheblichen psychischen und psychosozialen Beeinträchtigungen einhergeht. Wenn es am Arbeitsplatz riecht wie in der Fischhalle oder man am Geruch den Monatszyklus erriechen kann, die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs oder andere intime Aspekte aus dem Leben der betreffenden Frau, dann ist schon dies eine erhebliche Belastung für die Lebensqualität der Betroffenen. Dazu kommen weitere gesundheitliche Risiken durch Ausbreitung des Gardnerella-Bakteriums in andere Körperregionen.

Jede betroffenen Frau sollte deshalb unverzüglich die frauenärztliche oder gynäkologische Praxis aufsuchen und in einem Arztgespräch die notwendige Therapie klären. Es gibt dabei mehrere Wege zum Ziel.

Der pharmazeutische und schnelle Weg ist die Bekämpfung mit Antibiotika. Verschrieben werden Präparate zur oralen Einnahme, Vaginalcreme und Vaginaltabletten. Dieser ist mit allen Nachteilen einer Antibiotika-Behandlung belastet, wie Resistenz-Bildung, Abtötung der nützlichen Milchsäurebakterien (Lactobacillus) und des Darm-Mikrobioms, sowie anderen erheblichen Nebenwirkungen. Bei derartigen Behandlungen muss eine Strategie zur Regeneration des Mikrobioms unbedingt Teil der Behandlung sein und der behandelnde Arzt muss diesen Weg schon zu Behandlungsbeginn klar aufzeigen und die notwendigen Schritte besprechen. Auch die Mitbehandlung des Sexualpartners sollte dabei Bestandteil des Behandlungsplans sein, auch wenn es für den parallelen Antibiotikaeinsatz derzeit keine Erkenntnisse gibt, müssen die anderen begleitenden Maßnahmen auch bei den Kontaktpersonen zum Einsatz kommen.

In diesem Zusammenhang bieten viele Frauenärzte und Gynäkologen IGEL-Leistungen an, die teilweise kostenintensiv sind und die deshalb nicht von der Krankenkasse erstattet werden, weil die Krankenkassen deren Notwendigkeit und Nutzen bezweifeln. Sollte in ihrem Fall der Nutzen ausnahmsweise gegeben sein, müsste die Kasse diese Maßnahme durch Kostenübernahme tragen. In diesem Fall lassen sie sich das Kostenangebot mit der medizinischen Begründung vom behandelnden Arzt schriftlich geben und wenden sich damit an die Krankenkasse um einen Kostenübernahme-Antrag zu stellen. Auch bei der Antibiotika-Auswahl können Unverträglichkeiten und Vorerkrankungen eine Rolle spielen ein teureres Medikament von der Kasse ersetzt zu bekommen. Bestehen sie bei Ärzten, die nicht mit ihrer Vorgeschichte vertraut sind auf eine gründliche Anamnese, falls sie einen langjährigen Hausarzt haben, kann dieser ein Verlaufsprotokoll verfassen und zur Weitergabe zur Verfügung stellen.

Witze über betroffene Frauen sind Teil des Problems

Ein anderer und langwierigerer Weg, der auch begleitend zu einer Antibiotika-Therapie ins Auge gefasst werden sollte, ist eine Applikation von Milchsäure-Bakterien oder speziellen Vitamin-C-Präperaten in die Vagina, um sowohl den ph-Wert als auch das Mikrobiom positiv zu verändern. Es gibt Gels und manche Ärzte empfehlen auch Joghurts, wobei nicht jeder Joghurt ausreichend zuckerfrei sowie säuerlich ist oder natürlich genug, um als Quelle für nützliche Bakterien zu dienen. Dazu kommt noch, dass nicht alle Milchsäurestämme nützlich sind. Nur H2O2-positive Bakterienstämme haben die erwünschte Wirkung innerhalb des Scheiden-Mikrobioms. Hier wird von einigen Ärzten auch eine "Impfung" gegen unerwünschte Bakterien im Scheiden-Mikrobiom empfohlen, 

Wichtig ist es jede Therapie mit einer umfassenden Hygienestrategie zu unterstützen. Dazu zählt die Intimhygiene sowohl bei der betroffenen Frau, als auch beim Sexualpartner um Rezidive (Wiederholungserkrankungen) zu verhindern. Angefangen vom Einsatz eines antibakteriellen Waschzusatz für die Unterwäsche, über kürzere Wechselzyklen bei Hygieneprodukten (Tampons, Einlagen) bis hin zu Körperpflegeprodukten, die pH-neutral die guten Milchsäurebakterien schonen. Naturseifen sind in diesem Fall mit ihrer basischen Wirkung schädlich.

Ursachen für die Erkrankung gibt es viele, deshalb sind die Fälle zahlreich. Manche sind vermeidbar, manche sind nicht zu beeinflussen. Hormonelle Veränderungen sind oft altersbedingt, Antibiotika-Einsatz durch andere Krankheiten bedingt, hier ist die bakterielle Vaginose eine Folgeerkrankung, die oft eine anhaltende Therapie erfordert und zusätzliche Maßnahmen um einen Rückfall zu verhindern. Andere Ursachen wie die Anwendung von Vaginalsprays, Intimduschen und -spülungen, die den pH-Wert der Vagina anheben und die Milchsäure-Bakterien abtöten, können dagegen verhindert werden. Dagegen ist vaginaler Geschlechtsverkehr keine ursächliche Bedingung für den Ausbruch der Krankheit, es ist hier nur das Eiweiß im Sperma, das bei der Zersetzung zu Aminen den typischen Geruch verstärkt und damit scheinbar zum Krankheitssymptom beiträgt. 

Sollte eine Frau aus verschiedensten Gründen, geringer Leidensdruck, eine nur geringfügige Beeinträchtigung, die bakterielle Vaginose über längere Zeit unbehandelt lassen, besteht trotzdem das Risiko eines Aufsteigens der schädlichen Bakterien aus der Vagina in die inneren Geschlechtsorgane, in die Gebärmutter und die Eierstöcke. Die Gebärmutterschleimhaut, die Eierstöcke und der Eileiter können sich entzünden. Die Folgen sind dann erheblich und weitreichend. Das Risiko für Eileiterschwangerschaften, Fehl- und Frühgeburten steigt, dazu kommt noch in schweren Fällen durch Schädigung des Eileiters eine anhaltende Unfruchtbarkeit. Auch eine Schwangerschaft ist kein Grund eine Behandlung aufzuschieben, im Gegenteil, die Krankheit kann fruchtschädigende Auswirkungen haben und für das Baby gefährlich werden.

Betroffenen Frauen sollte man Mut machen die Behandlung anzupacken und nicht zu lange zu warten. Es gibt nicht nur keinen Grund mit Fischgeruch durchs Lebens zu gehen, es gibt viele Gründe sofort zu handeln und etwas grundlegendes gegen diese gefährliche Krankheit zu tun.

Die Erkrankten brauchen Unterstützung und nicht unseren Spott. Auch und gerade weil manche Witze schon so alt sind, wie der über Gott, die Frau am Fluss und die Fische, der schon im Mittelalter erzählt wurde. Die Zeiten haben sich geändert.

Es ist nicht einfach Fischgeruch - Bakterielle Vaginose ist keine Nebensächlichkeit.


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