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Der besorgte Narr


Zu allen Zeiten hatten die Clowns, die Spaßmacher und Komödianten auch eine sozialkritische Ader. Schon der Hofnarr des Mittelalters konterkarierte die Bedeutung des Feudalherrschers, hielt ihm den Spiegel seiner eigenen Absurdität vor. Weise Herrscher wussten um deren Bedeutung, als Anker für die eigene Menschlichkeit und die Verbindung zur Lebensrealität.

So ist es auch mit den Satirikern und Comedians unserer Zeit. Sie halten den Herrschenden und der Vox Populi den Spiegel vor, überzeichnen und schaffen so aus der Realität die Kritik der Realität. Problematisch wird es, wenn sich ein Hofnarr der Demokratie nicht mehr den realen Zuständen zuwendet, sondern sich der Förderung einer Ideologie verschreibt, dann besteht die Gefahr, dass aus der kritischen Satire unkritische Propaganda wird.

Es gibt einen derartigen Fall, der Mann ist ein Beispiel für die Mehrheit der "besorgten Bürger". Als im TV und den Kleinkunstbühnen die Kabarettisten, Witzeerzähler und Sketchdarsteller ihren Abschied nahmen und die mehr oder weniger feinsinnigen Comedians und satirischen Moderatoren ihren Einzug hielten, reüssierte dieser Mann mit pointiertem Wortwitz und einem Wortspiel mit seinem Namen. Aber was ist daraus geworden? Das ist immer nuhr der gleiche Gag, den man nuhr am Anfang richtig witzig fand. Jetzt ist er nuhr noch öde. Aber das ist noch nicht alles, man hat den Mann auch noch entwürdigt, zum Pointenlieferant für seinen Kollegen Mario B. degradiert. Das nagt am Selbstwertgefühl. Die Welt ändert sich wieder und diesmal scheinbar an ihm vorbei. Das verunsichert, das lässt nach Schuldigen suchen, da entstehen Ängst und die Xenophobie feiert Urstände. 

In seinem Gewerbe steckt man schnell in prekärer Lebenssituation. Wenn man mit der damit verbundenen depressiven Stimmung nicht umgehen kann, dann ist "Wut und Vorurteil" eine der psychischen Krücken an denen man sich am schwarzen Loch der Depression vorbei zieht. Immer nur Vorwärts, zusammenreißen, nicht versagen, funktionieren und wenn es ruckelt, klemmt, dann sind andere Leute schuld daran. Man selbst bemüht sich doch - das Leben müsste doch funktionieren, weil man selbst funktioniert.

Tut es aber nicht.

Und dann verschiebt sich etwas - die Weltsicht. 

Alles soll wieder so sein, wie zu der Zeit als alles noch für einem selbst funktionierte (dass es damals für andere Scheiße war blendet man aus), die Gute Alte Zeit ist da. Und dann sind da all die Veränderungen seit damals, die müssen weg, damit es wieder gut wird, dass Mama übers Haar streichelt und der Schmerz geht. Auf die Wunde bläst und alles ist gut. Man wäre wieder da wo man schon mal war, in Sicherheit.

Dabei ist alles nuhr Illusion, die selektive Wahrnehmung des Augenblicks, eines Tages.

Die Welt war und wird immer gefährlich sein, verändert sich schon immer und wird es auch weiterhin. Und wenn wir einmal eine sichere Insel hatten, die golden im Abendlicht glänzt, dann nicht weil das Meer darum anders war, sondern weil wir es waren. Weil wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wir. Nicht der Rest der Welt. Die Welt dreht sich nicht um uns. Wir bewegen uns durch sie.

Dann ist der besorgte Narr nur noch besorgter Bürger. Der Spiegel, den er hält, der zeigt ihn selbst, nicht die Gesellschaft oder die Herrschenden. Der Narr ist nur noch ein Narr.







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