Direkt zum Hauptbereich

Keine Stolpersteine in München


Ende Juli hat Münchens Stadtrat beschlossen, dass weiterhin keine Stolpersteine auf städtischem Grund verlegt werden dürfen. Für die Aktivisten der Initiative Stolpersteine für München um Terry Swartzberg ist es eine schmerzhafte Niederlage.

Dazu muss aber jetzt noch sagen, dass der Amerikaner Swartzberg, der für die Herald Tribune schreibt, selbst Jude ist, gerne Stolpersteinverlegungen vornehmen würde und zahlreiche Anfragen von jüdischen Nachkommen hat, die sich irgendwo in München einen Stolperstein für ihre Angehörigen wünschen.

Man kann es noch genauer sagen, er ist liberaler Jude, Mitglied der Beth Shalom Gemeinde, die sich Pro-Stolpersteine positioniert. Die Israelitische Kultusgemeinde um Frau Knobloch vertritt bei weitem nicht alle Juden und selbst innerhalb des IKG sind Frau Knoblich und ihre Traditionalisten nur gerade so mehrheitsfähig. 

Der Stadtrat sieht aber die Position der IKG als maßgeblich und ignoriert Positionen anderer Juden in München.

So sagt Jan Mühlstein, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom:
"Die Stolpersteine haben den Vorteil, dass sie dort die Menschen ansprechen, wo das Verbrechen den Ausgang genommen hat, mitten in der Bevölkerung. Es ist ja kein Verbrechen, das irgendwo am Rande geschehen ist, sondern mitten in der Bevölkerung. Das ist für mich das wichtigste Argument."

Oder ein anderer Münchner Jude, Ernst Grube, Holocaustüberlebender, 83 Jahre:
"Die Diskussion bedauere ich natürlich sehr, aber sie dauert schon sehr viele Jahre und sie wird bestimmt durch die Ablehnung der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Frau Knobloch. Eine Ablehnung, deren Begründung mit Schmutz und Betreten der Steine begründet wird – also ich kann das nicht akzeptieren. Die Steine sind kein Friedhof, sie sind ein Stein des Anstoßes, damit wir Bürger damit konfrontiert werden und dadurch ins Gespräch kommen. [...] Also ich kann es nicht nachvollziehen und die Fälle, wo die Steine beschädigt wurden ist, gemessen an der Zahl der Verlegten, fast bei null [Anm.d.V. dazu zählen auch die in München durch die Stadt entfernten zuerst verlegten Stolpersteine]. Was ich vor allem nicht verstehen kann und auch nicht verstehen will ist diese Majorität, die nun die Meinung der Frau Knobloch hat, man kann ja gar nicht sagen der Israelitischen Kultusgemeinde, sondern von Frau Knobloch und einigen anderen. Aber vor allem deshalb weil ich als Befürworter hier nicht diese Beachtung finde. Frau Knobloch ist so alt wie ich, nur ein paar Wochen älter, Frau Knobloch ist verfolgt worden, ich bin verfolgt worden, warum jetzt diese Meinung der Frau Knobloch vorherrschend ist gegenüber meiner, also ich kann das nicht akzeptieren."
Stolpersteine außerhalb von München

Und damit sich jeder selbst ein Bild machen kann von den verschiedenen jüdischen Gemeinden in München:


Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Bleigießen, ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Heute ein Partyspass an der Jahreswende. Früher ein billiges Orakel um Warnungen und Hilfen in Zeiten der Veränderung zu erhalten. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester. Ein Zeitvertreib um einen hellsichtigen Blick aufs neue Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind unbedenkliche und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen. Zumindest sollte es so sein und ein Blick auf die Packung, ob ein CE-Zeichen vorhanden ist, sollte das sicher stellen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleif…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gebratener Lachs mit Gurken

Für 2 Personen:

2 Lachs-Filets, Größe nach Hunger 150-250 g
1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
etwas Maismehl

3 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl

1 große Landgurke
1 Becher Ziegenjoghurt
1 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl
1/2 Tl Dijon-Senf
Salz, Pfeffer
1 Tl getrockneter Dill

Lachs mit ein paar Tropfen Zitrone beträufeln und verreiben, anständig Salzen und Pfeffern, mit Maismehl schwach mehlieren. Beiseite legen. Der Lachs sollte eine halbe Stunde vor dem Zubereiten aus dem Kühlschrank genommen werden oder in Fällen großer Eile 20 Sekunden bei 800 Watt in der Mikrowelle vorgewärmt werden.
Gurke in zwei Hälften scheiden, jede Hälfte in Scheiben schneiden und am Rand des Tellers auslegen.
Rapsöl in der Pfanne auf mittlerer Hitze (4 von 6) vorwärmen.
Joghurt, Öl, Senf, den restlichen Saft der halben Zitrone, Salz und Pfeffer, sowie die Hälfte des Dills gut verrühren, über den Gurkenscheiben verteilen.
Lachs von jeder Seite 2 bis 3 Minuten anbraten, dabei möglichst nicht bewegen, er kann gewendet w…