Träume vom Morgen


Vielleicht ... weil ... vielleicht ... versprühen irgendwelche Governmentgnome Chemtrails, die die Leute wie wild ohne Verhütung vögeln lassen und die Geburtenrate hochtreiben ... oder vielleicht ... kriegen wir wieder eine Regierung, die Mütterkreuze verteilt, weil die gute alte Zeit ja so Lust aufs Vermehren gemacht hat und die Leute fünf und mehr Kinder nicht nur gekriegt haben weil die Hälfte an der schlechten Hygiene, der Armut oder in Kriegen gestorben ist ... vielleicht, aber nur vielleicht. 

Ja, ich träume davon, dass es beim "vielleicht" bleibt, dass wir keine Zwangsschwangerschaften bekommen, nicht noch mehr Strafbeiträge für Kinderlose, nicht noch mehr steigende Auswanderungszahlen, weil noch mehr Menschen keine Perspektive sehen in einem aussterbenden Land zu leben, in dem Grundschulen schließen müssen, Krankenhäuser abgerissen werden, und aus leer stehenden Wohnungen rosa Plastikblumen durchs Fenster die verwilderten Katzen erschrecken. 

Ich träume davon, dass sich dieses Land wieder mit Leben füllt, außerhalb der Städte mit ihrem scheinbaren Wachstum, diese Rückzugsorte an denen es noch ein funktionierendes Gemeinwesen gibt. In denen nicht ein Verein nach dem anderen sich austragen lassen muss, weil sich niemand mehr für Vorstände findet und auch sonst keine Mitglieder mehr nachwachsen, weil alle wegziehen und die Dörfer veröden. Wo einem ein Schild "Wir schließen Ende des Monats" entgegen trauert und klar ist, damals war Schröder noch Kanzler. 

Über die Jahrhunderte hatten wir immer Einwanderungs- und Auswanderungswellen. Beides hat unserem Land immer gut getan. Weil es im Wechsel stattfinden durfte. 

Über Jahrhunderte waren unsere Grenzen für jeden Zuzug offen, nur für den Wegzug musste man eine Entlassung aus der Erbuntertänigkeit haben. Heute sind wir keine Untertanen mehr, nicht mehr leibeigen oder erbuntertänig. Wir können wegziehen, wenn wir wollen. 


Und die Welt ist groß, hat viele Chancen für Menschen, die dem großartigen deutschen Bildungssystem entspringen. Menschen, die mobil sind und Chancen ergreifen. 

Umgekehrt haben wir es schwierig Menschen für uns zu gewinnen. Die Hürden sind hoch und jemand kann nicht einfach mal probieren hier zu siedeln, Deutscher zu werden und sich wieder umentscheiden. Man muss sich integrieren und das heißt sich einem bürokratischen Prozess zu unterwerfen. Etwas, das nur wenige tausend Neubürger jedes Jahr machen. 

Dagegen gibt es hunderttausende neue Nachbarn, die einfach ohne große Bürokratie aus einem anderen EU-Land herziehen, arbeiten, leben, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen und auch wieder gehen. Einfach so. 

Und das sind demnächst 500 Millionen Menschen, die diese Möglichkeit haben und irgendwann noch mehr. Warum sollten die anderen soundsoviel Milliarden Menschen auf diesem Planet nicht die gleiche Chance haben? Sind die so anders? Wie viele würden denn kommen? Wie viele wollen denn ihr eigenes Land verlassen? 

16 Millionen Menschen sind in Syrien auf der Flucht, über 10 Millionen davon haben das Land nicht verlassen, selbst unter Todesgefahr nicht, ziehen nur in der Region herum. Gehen wieder zurück, nach Hause. Die Mehrzahl der Menschen ist nicht so mobil, dass sie auswandern oder in die Ferne fliehen. Wir müssen also froh sein, wenn jemand kommt. 

Und wenn alle 25 Jahre fünf Millionen wegen eines Krieges kommen, dann können wir uns zynisch darüber freuen, dass wir aus der humanitären Leistung auch noch Nutzen ziehen. Aber wir können uns nicht auf Kriege verlassen, abgesehen davon, dass das der Gipfel der Niedertracht wäre. Also vielleicht, vielleicht machen wir die Grenzen auf, damit Menschen unkompliziert und spontan einwandern können. Einfach so. 

Dann gibt es mehr Konsum, denn mehr Menschen brauchen mehr. Damit gibt es mehr Nachfrage ... mehr Arbeit ... mehr Beiträge ... so viele wie früher ... und dann stimmt die Geschichte wieder. 

Und irgendwann in ferner Zukunft, dann brauchen wir das nicht mehr, dann haben sich die Sozialstandards weltweit angepasst, wir haben Maschinensteuer, Tobinsteuer und Produktivität wird besteuert und dann gibt es globales BGE, jeder hat seine Alterseinkünfte sicher und dann ist Rente kein demografisches Rechenmodell und -problem mehr. 

Aber das geht nicht auf Fingerschnippen oder als Insellösung nur für ein Land oder einen Kontinent.

Eine offene Gesellschaft ist diese Mühe wert. Beschreiten wir diesen Weg. Oder wir bleiben an seinem Rand liegen, irgendwann nur noch das bleichende Skelett einer einst großen Nation. 






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