Direkt zum Hauptbereich

Der Spiegel zerbricht - Sieben schlimme Jahre für die Republik?

Scheitert der Spiegel, scheitert der Journalismus, scheitert die Republik?

Es begann im vergangenen Jahr mit Änderungen im Management des Hamburger Magazins und einer Ankündigung von erheblichen Personalstreichungen knapp unter dem Level von Massenentlassungen. 20% sollen in 2016 gehen müssen.

Die Reaktion viel anscheinend anders aus als beabsichtigt. Gerade die kreativsten Köpfe ergriffen als erste die Gelegenheit zu gehen und sich neue Aufgabenfelder und Arbeitsplätze zu erschließen. Hier muss sich schon längere Zeit Frust und der Zustand innerer Kündigung aufgebaut haben. Die Befürchtungen, dass Qualität, Anspruch und journalistische Standards nicht mehr zählen würden, bewahrheiteten sich jetzt.

Aber es war nicht nur eine Senkung der Mitarbeiterzahl, die über die verschiedenen Formate des Hamburger Verlags hereinbrach, sondern auch ein Ausbau der Anzahl der Formate. Eine extreme Steigerung der Arbeitslast für den einzelnen Mitarbeiter. Nicht bereit, viele Freiberufler zu engagieren, versucht der Verlag durch Mehrfachnutzung der Artikel in Print und Online und durch Querverlinkung auf allen Online-Plattformen die Kosten zu drücken und die Leere zu füllen, die die verschwundenen Journalisten zwangsläufig hinterlassen haben. Und weil dann immer noch Quantität fehlt, wird mit Clickbait, Artikeln mit der doppelten Länge ihrer Teasern und mit Flase-Flag-Schlagzeilen der leere Raum gefüllt.

Die Leser haben seit Monaten über den Verfall nicht nur leise gemeckert, sie haben in Leserbriefen und Forenbeiträgen den neuen Anspruch und die neuen Formate offen kritisiert, haben ihren Unmut deutlich geäußert. Auch die merkbar fehlende Schlussredaktion, das Editieren der Artikel durch sprachkundige Redakteure und das zunehmend schlampig wirkende Rechtschreibniveau haben der Fassade tiefe Kratzer verpasst. 

Vergleichbar zu Bloatware und Vaporware ist das Magazin jetzt ein Bloatblatt voller Vaporartikel.


Ein einmal interessantes, investigatives und innovatives Magazin, relevant für die soziale und politische Struktur und Kultur in Deutschland, ist jetzt ein weiterer Haufen sinnlosen Inhalts, bestimmt die Massen zu unterhalten und anzuziehen, um nichts außer Klicks und Views für Anzeigen zu generieren.

Das nennt man gemeinhin "Bäckerblume"-Journalismus. Ein Ausdruck in Erinnerung an eine Werbezeitung des Bäckerhandwerks, kostenfrei an Kunden abgegeben, gefüllt mit Anzeigen und Artikeln. Artikeln mit Copy&Paste aus Pressemitteilungen erzeugt und mit Kreuzworträtseln und Bilderwitzen mit Bart garniert.

Eine Leere hat sich aufgetan. Wie in vielen anderen Ländern auch, in der sich die traditionelle Presselandschaft auflöst und die Online Medien diesen Platz nicht auffüllen. Niemand erfüllt mehr diesen traditionellen Part dieser Säule der Demokratie in Politik und Gesellschaft.


Quellen:
Die Zeit, Dezember 2015
Kress - Rainer Leurs
Kress - Spiegel Innovationsreport

Bild: flickr/quapan - "Die Trümmerfrau. Scheitert der Euro, scheitert Merkels Kanzlerschaft" SPIEGEL-Cover-Titel mit Angela Merkel vor Akropolis-Kulisee am 4.Juli 2015 (CC BY-SA 2.0)



Beliebte Posts aus diesem Blog

Bleigießen - Orakel und Symboldeutung

Bleigießen, ein jahrtausendealtes Ritual zum Wahrsagen. Heute ein Partyspass an der Jahreswende. Früher ein billiges Orakel um Warnungen und Hilfen in Zeiten der Veränderung zu erhalten. Wurde es bis zum ersten Weltkrieg gerne vor Verlobungen, vor der Emigration oder anderen Lebensentscheidungen benutzt, so ist es heute hauptsächlich ein Partyspaß an Silvester. Ein Zeitvertreib um einen hellsichtigen Blick aufs neue Jahr zu werfen.

Bis ins 19. Jahrhundert war es ein billiges Wahrsageritual, gegen das die christliche Kirche keine großen Vorbehalte hatte. Das Bleigießen war preiswert, das benötigte Material fand sich früher in jedem Haushalt. Heute würde man kein Blei mehr im Haus finden und auch die fertigen Sets zum Bleigießen enthalten kein Blei mehr. Es sind unbedenkliche und trotzdem leicht schmelzbare Metalle wie Zinn-Legierungen. Zumindest sollte es so sein und ein Blick auf die Packung, ob ein CE-Zeichen vorhanden ist, sollte das sicher stellen.
Was brauchst Du dafür?
"Bleif…

Schmand-Borschtsch vom Schwarzen Meer

Schmand-Borschtsch war das erste typische Schwarz-Meer-Rezept, das ich bei meiner Frau und ihrer Verwandschaft kennen lernte. Ein Gericht, das die Küchen Rumäniens, Russlands und der schwäbischen Herkunft der Siedler vereinte.

Aber der Borschtsch wäre nicht mehr das, was es früher einmal gewesen wäre, klagten die älteren Familienmitglieder. Das Fleisch wäre nicht mehr so, man bekäme nicht mehr die gleichen Knochen und die Rinder würden zu jung geschlachtet. Die Unterschiede und was man vermisst wurden genau beschrieben. Für mich war das der Anlass nach den Ursachen zu suchen und ein angepasstes Rezept zu entwickeln.
Der Tipp mit dem Schlachtalter und den Knochen war ein erster wesentlicher Schritt. Wurde historisch die Hochrippe mit Fleisch und Knochen verwendet, die beim älteren Rind eine ganz andere Struktur und Faserigkeit zeigt, so findet sich ein vergleichbares Fleisch heute bei Rindfleisch mit 12-20 Monaten Schlachtalter eher in der Wade. Selbst Freilandtiere aus Bio-Haltung ha…

Gebratener Lachs mit Gurken

Für 2 Personen:

2 Lachs-Filets, Größe nach Hunger 150-250 g
1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
etwas Maismehl

3 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl

1 große Landgurke
1 Becher Ziegenjoghurt
1 El Rapsöl oder ein neutrales Olivenöl
1/2 Tl Dijon-Senf
Salz, Pfeffer
1 Tl getrockneter Dill

Lachs mit ein paar Tropfen Zitrone beträufeln und verreiben, anständig Salzen und Pfeffern, mit Maismehl schwach mehlieren. Beiseite legen. Der Lachs sollte eine halbe Stunde vor dem Zubereiten aus dem Kühlschrank genommen werden oder in Fällen großer Eile 20 Sekunden bei 800 Watt in der Mikrowelle vorgewärmt werden.
Gurke in zwei Hälften scheiden, jede Hälfte in Scheiben schneiden und am Rand des Tellers auslegen.
Rapsöl in der Pfanne auf mittlerer Hitze (4 von 6) vorwärmen.
Joghurt, Öl, Senf, den restlichen Saft der halben Zitrone, Salz und Pfeffer, sowie die Hälfte des Dills gut verrühren, über den Gurkenscheiben verteilen.
Lachs von jeder Seite 2 bis 3 Minuten anbraten, dabei möglichst nicht bewegen, er kann gewendet w…